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 Betreff des Beitrags: Geige ev. J.Altrichter, Frankfurt/O
BeitragVerfasst: Do 11. Mär 2010, 21:08 
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Registriert: Do 11. Mär 2010, 20:04
Beiträge: 3
guten Tag

ich bin zu einer Geige gekommen und würde gerne wissen, wer sie gebaut hat. Sie trägt innen einen Reparaturzettel von 1884, der ziemlich sicher später eingeklebt wurde, daneben befindet sich ein Fragment eines älteren Zettels, das allenfalls auf die Firma J.Altrichter hinweist, die in diesem Forum schon besprochen wurde. Dort scheinen jedoch allerlei Geigenbauer einen Teil ihrer Wanderjahre verbracht zu haben. Falls ich mit der Vermutung richtig liege, dürfte die Geige je nach Quellen zwischen 1895 und ca. 1933 entstanden sein. Ich habe intensiv auf dem Internet und in den alten Nachschlagewerken recherchiert, konnte jedoch keinen weiteren Hinweis finden.

Was allenfalls ein Hinweis auf einen bestimmten Erbauer geben könnte: Die Zargen sind beim Endknopf mit einem Einlagespan versehen, rechts unter dem Endknopf ist die Nummer 165 eingebrannt. Der einteilige Boden ist aus sehr eng und stark geflammmtem Ahorn, ebenfalls Hals und Zargen. Leider fehlt mir eine Inspektionslampe, aber ganz schwach ist ein handschriftlicher Eintrag im Innern der Geige auf dem Boden oben Richtung Hals zu erkennen.

Fotos der Geige und des Zettels finden sich hier:

http://picasaweb.google.com/petrolzange ... ICcgICsBQ#

Ist jemandem ein Geigenbauer bekannt, der seine Geigen so nummerierte und einen Einlagespan am Endknopf verarbeitete?

Über Hinweise würde ich mich sehr freuen, dies aus reiner Freude daran, alles über mein Instrument zu erfahren.

Vielen Dank!


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BeitragVerfasst: Do 11. Mär 2010, 21:39 
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Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 13:58
Beiträge: 1247
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Diesel,

zur Geige kann ich keine Auskunft geben, aber zum Hersteller:

Ferdinand Julius Hermann
tätig in Frankfurt /Oder und Berlin
geb. 01.12.1842 Frankfurt /O. gest. 15.03.1915 Frankfurt /O.

Sohn des Mühlenbescheiders Johann Gottlieb Altrichter. 1873 bezeichnete er sich als Harmonika-Fabrikant. Gebaut wurden vorwiegend Blechblasinstrumente, aber auch Holzblas- und Streichinstrumente wurden gefertigt. Sein Sohn Erich führte die Firma bis 1935 weiter.
WAB, deWit (1912): Hoflieferant, Frankfurt, Bahnhofstraße 21, Fabrik von Metall-, Holz-, Streich- und Schlaginstrumenten, Detail-Geschäft: Regierungstraße 19.

gedruckter Zettel:
Repariert den 18.Juni 1852 //
von J. Altrichter //
in Frankfurt a.O.
(18.Juni und 52 handschr.) oder:
Nach Antonio Straduarius gefertigt //
von J.Altrichter,


Viele Grüße
Heidrun


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BeitragVerfasst: Do 11. Mär 2010, 21:58 
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Registriert: Do 11. Mär 2010, 20:04
Beiträge: 3
Hallo Heidrun

Herzlichen Dank für die schnelle Antwort - vielleicht war meine Anfrage etwas missverständlich, der Reparaturzettel ist von einem G. Hac*(unleserlich) in Poznan 1884, ich denke aber, dass dieser gewissermassen zur "künstlichen Alterung" später eingeklebt wurde. Das Zettelfragment mit dem Wappen halte ich für einen Altrichter-Zettel, da seine Blasintrumente dasselbe Wappen tragen. Oder konnten Sie anhand der anderen Angaben auf den Hersteller schliessen?

Danke!


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BeitragVerfasst: Fr 12. Mär 2010, 18:32 
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Geigenbaumeister

Registriert: Do 02. Feb 2006, 11:16
Beiträge: 486
Wohnort: Markneukirchen
Hallo (Herr?) Diesel,

ja, die Altrichter- Zettel tragen genau das gleiche Wappen mit zwei mal "Wilder Mann" und - ich schätze - polnischem Adler, Krone und kleinem Malteserkreuz.

Was die beiden anderen Hinweise betrifft, so muß ich leider enttäuschen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Zahl am Endknopf auf einen bestimmten Geigenmacher hindeutet. Ich denke eher, wenn sie sich unter dem Lack befindet, so wird es eine Numerierung der Firma Altrichter gewesen sein. Ist auf den Lack gestempelt worden, so dürfte das eher ein Eigentümer getan haben.

Und der Einlegespan an der Zargenfuge wurde schon von diversen Geigenmachern angebracht, und zwar genau dann, wenn die Zargen beim Verleimen am Stock einen unschönen Spalt ergaben. So sieht es doch gleich viel netter aus. ;-)

Es mußte wohl überhaupt recht schnell gehen beim Geigenbau: Lackränder unter den F-Löchern, der Zusammenschnitt der Adern, die wohl geschwärzte Brust sind Anzeichen, die auch oft bei Serieninstrumenten zu finden sind. Aber das sind nur Mutmaßungen nach Anschein der Bilder. Wie immer: Nur mit Instrument in Händen kann man da eventuell mehr sagen.

Viele Grüße aus dem Vogtland

Udo


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BeitragVerfasst: Fr 12. Mär 2010, 20:00 
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Registriert: Do 11. Mär 2010, 20:04
Beiträge: 3
Lieber Udo

Herzlichen Dank für Ihre Antwort, das ist doch sehr hilfreich. Ich hoffe, der hastige Geigenbauer hatte wenigstens was Schönes vor, nachdem er sich schon so beeilt hat :-) Die Geige spielt sich zum Glück trotzdem gut und hat einen recht schönen Klang.

Ein schönes Wochende und beste Grüsse aus Zürich ins Vogtland
(Frau) Diesel


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