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 Betreff des Beitrags: Januarius Gagliano Geige
BeitragVerfasst: Mi 09. Feb 2011, 21:08 
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Registriert: Mi 09. Feb 2011, 20:52
Beiträge: 5
Hallo,

ich spiele schon seit fast 30 Jahren auf meiner Geige, deren Inschrift Januarius Gagliano filius Alexandri fecit Neapel 1750 lautet. Die Geige hat mein Vater ca.1984 in Markneukirchen gleichzeitig mit einer Gitarre gekauft. Sie hatte schon damals einen großen Stimmriss am Boden und war daher nicht ganz so teuer. Auf dem Rücken sind zwei Buchstaben in geschwungener Schreibschrift: wahrschl. ED. Ein Geigenbauer schätzte sie auf eine alte böhmische, ca. 150 Jahre alt. Ich würde gern ihre Biografie rekonstruieren, soweit das überhaupt nachzuvollziehen ist. Können Sie mir einen Rat geben, wie ich vorgehen könnte? Möglicherweise sind die Buchstaben ein Hinweis auf den Geigenbauer? Oder einen früheren Besitzer?

Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen!
Lieben Dank im Voraus und herzlichen Gruß,
BaSa


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 Betreff des Beitrags: Re: Januarius Gagliano Geige
BeitragVerfasst: Do 10. Feb 2011, 15:06 
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Geigenbaumeister

Registriert: Do 02. Feb 2006, 11:16
Beiträge: 486
Wohnort: Markneukirchen
Hallo BaSa (?),

gleich vorab, es dürfte äußerst schwer werden oder wahrscheinlich sogar unmöglich sein, zu diesem Instrument eine "Biografie" zu erstellen. Im 19./20. Jh. gab es in und um Markneukirchen Hunderte Geigenmacher! Diejenigen, die an Händler lieferten - und das waren die allermeisten - durften ihre Instrumente nicht kennzeichnen und die Instrumente derer, die es sich leisten konnten, ihre Instrumente mit einem eigenen Zettel zu versehen, wurden of nachträglich noch dessen beraubt und mit einem wohlklingenden italienischen Faksimile versehen...

Ihr Gagliano- Zettel war auch auf den großen Bögen mit zu finden, die hier von Druckereien in großer Stückzahl hergestellt wurden, fein säuberlich vorsortiert nach "italienische Zettel", "französische Zettel" und "deutsche Zettel". Die Buchstaben auf dem Boden (Wo eigentlich, unter dem Zäpfchen oder gar mitten drauf?) können auch kaum weiterhelfen. Ein Geigenbauer dürfte so etwas kaum gemacht haben, es sei denn es ist ein Brandstempel (wie z.B. der bekannte HOPF-Stempel). Für mich klingt das eher nach der Verwewigung eines Besitzers.

Wenn der Verkäufer von 1984 noch bekannt ist, wäre er für mich erster Anlaufpunkt. Ansonsten, ich kann mich nur wiederholen: Lediglich ein erfahrener Geigenbaumeister mit dem Instrument in Händen kann konkreteres sagen, aber auch nicht immer.

Mit freundlichen Grüßen

Udo


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 Betreff des Beitrags: Re: Januarius Gagliano Geige
BeitragVerfasst: Do 10. Feb 2011, 16:53 
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Registriert: Mi 09. Feb 2011, 20:52
Beiträge: 5
Lieben Dank, Udo, für die schnelle Antwort!
Ich habe zumindest herausgefunden, wer den Verkauf damals vermittelt hat und die Geige als "historisches Instrument" nach Markneukirchen zur Reparatur gab. Vielleicht glückt es mir, den Vorbesitzer zu erfahren. Ansonsten werde ich die "alte Dame" wohl noch einigen Kennern zur Ansicht vorlegen und mir im Notfall eine Biografie ausdenken... Gibt es Biografien von Geigen? (Wie "Mara")
Schönes Wochenende wünscht BaSa


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 Betreff des Beitrags: Re: Januarius Gagliano Geige
BeitragVerfasst: Do 10. Feb 2011, 17:11 
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Registriert: Mi 09. Feb 2011, 20:52
Beiträge: 5
P.S. Signatur unterm Hals, auf dem Boden


Dateianhänge:
Dateikommentar: zur Signatur...
geige.jpg
geige.jpg [ 17.45 KiB | 4986-mal betrachtet ]
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 Betreff des Beitrags: Re: Januarius Gagliano Geige
BeitragVerfasst: Fr 11. Feb 2011, 8:14 
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Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 13:58
Beiträge: 1247
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Ba Sa,

auf unserem riesigen Kontrabass sind auch solche "Gravuren" zu sehen und die stammen mit Sicherheit von den Musikern, die darauf gespielt haben. So könnte das bei dieser Geige auch sein, zumindest mir ist unbekannt, dass die Hersteller so die Instrumente gezeichnet haben. Da es in unserer Region üblich war, dass der Händler sie mit seinem Namen ausgestattet hat (s. Udo) und die Instrumentenbauer anonym blieben, haben manche ihr Kürzel angebracht, aber in der Regel im Inneren des Instruments, sodass man das nur findet, wenn man das Instrument öffnet.

Die Geige wird wohl ihr Geheimnis bewahren, es sei denn, Du bringst sie dazu, dass sie mit Dir redet .... :nea:

Es grüßt
Heidrun


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 Betreff des Beitrags: Re: Januarius Gagliano Geige
BeitragVerfasst: Fr 11. Feb 2011, 10:05 
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Registriert: Mi 09. Feb 2011, 20:52
Beiträge: 5
Lieben Dank für die Antwort, Heidrun,

war das in einer ganz bestimmten Zeit oder Region Mode, das eigene Instrument auf diese Weise zu signieren?
Und die erwähnte mögliche Signatur innerhalb des Korpus - kann die auch ein Geigenbauer nicht erkennen mit entsprechend Licht und Lupe?
Auf die Idee, die Geige selbst zu befragen kam ich bisher noch nicht. Gefällt mir, probiere ich aus...

Schönes Wochenende wünscht BaSa


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 Betreff des Beitrags: Re: Januarius Gagliano Geige
BeitragVerfasst: Fr 11. Feb 2011, 18:48 
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Registriert: Di 02. Okt 2007, 11:17
Beiträge: 1396
Wohnort: 69xxx bei heidelberg
in meiner werkstatt liegt unter anderem auch ein zahnarztspiegel - damit kannst du in verbindung mit einer taschenlampe über das f-loch versuchen " hinein zuschauen" falls die geige nicht sofort antwortet :wink2:

und beim zahnarzt mal höflich fragen hilft bestimmt auch. - yeaaah


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 Betreff des Beitrags: Re: Januarius Gagliano Geige
BeitragVerfasst: So 13. Feb 2011, 18:34 
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Geigenbaumeister

Registriert: Do 02. Feb 2006, 11:16
Beiträge: 486
Wohnort: Markneukirchen
Hallöchen,

nach meiner bisherigen Erfahrung findet man nur in äußerst seltenen Ausnahmefällen bei Händlerinstrumenten eine Kennzeichnung im Inneren des Instrumentes. Soviel ich weiß, riskierte der Geigenmacher damit, von dem Händler keine Instrumente mehr abgenommen zu bekommen.

zu Geigenbiografien:
Sicher gibt es da welche, am bekanntesten dürfte die "Stradivari- Ikonografie" von Herbert Goodkind sein.

zur Frage an Heidrun:
Besitzer aller Zeiten scheinen den Wunsch verspürt zu haben, Geigen als ihr Eigentum zu kennzeichnen. Auch wenn das manchmal hilft, die Geschichte eines Instrumentes zu rekonstruieren, kann ich als Geigenbauer dieser Marotte nicht allzuviel abgewinnen. Geht dies doch in den meisten Fällen mit einer Beschädigung des Instrumentes einher.

zum Foto:
Mir fällt es schwer, den zweiten Buchstaben als ein "D" zu lesen, das wäre doch dann zu klein gegenüber dem "E". Das Foto ist in dem Bereich etwas dunkel, abr könnte es vielleicht eher ein schwungvolles "B" sein?

Mit freundlichen Grüßen

Udo


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 Betreff des Beitrags: Re: Januarius Gagliano Geige
BeitragVerfasst: So 13. Feb 2011, 20:02 
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Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 13:58
Beiträge: 1247
Wohnort: Markneukirchen
Udo hat ja darauf verwiesen, dass die Händler es nicht duldeten, wenn sich jemand im Instrument verewigte, aber wir haben bei einer Gitarre, die 1860 gebaut und nach Amerika verkauft wurde, eine Inschrift gefunden am Halsstock. Das kann man nur entdecken, wenn man das Instrument öffnet (und dazu hatten die Händler sicher keine Zeit und Lust).
Hans Jordan, der für Harlan in den 1930er Jahren gearbeitet hat, hat sein HJ in einer Laute versteckt, was vor ein paar Jahren zutage kam, als die Laute zur Restaurierung total auseinander genommen wurde. Ich vermute, dass man die Instrumente schon oft gezeichnet hat zu jeder Zeit (Udo, hast das etwa nicht gemacht :rolleyes:), aber immer so, dass man das nicht mit einem Zahnarztspiegel oder anderen Hilfsmitteln finden kann.
Ich kann den zweite Buchstaben auch nicht lesen, vielleicht gibt es noch ein helleres Foto, aber weiterhelfen wird das wohl auch nicht?

Schönen Abend,
Heidrun


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 Betreff des Beitrags: Re: Januarius Gagliano Geige
BeitragVerfasst: So 13. Feb 2011, 20:32 
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Registriert: Mi 09. Feb 2011, 20:52
Beiträge: 5
Lieben Dank, für die Antworten. Ich war mir beim zweiten Buchstaben auch nicht sicher. In der Schreibschriftzeit, als das E so rund geschrieben wurde, fand ich nur das passende D, aber möglicherweise könnte es auch ein B sein (es ist auch im Original recht dunkel und nicht eindeutig zu lesen), anfangs hatte ich es für ein sehr geschwungenes L gehalten oder ein noch besseres ß...
Wer weiß, möglicherweise ist bei der Eingravierung sogar der große Stimmriss entstanden, der sich längs über die gesamte Rückenwölbung erstreckt und vor 20 Jahren relativ erfolgreich behandelt wurde - ohne sie zu öffnen!
Und bloß wegen meiner Neugier werde ich sie natürlich nicht öffnen lassen! Dann ziehe ich es doch vor, ihre Sprache verstehen zu lernen und mir ihre Biografie von ihr selbst vorsingen zu lassen.

Es wird wohl schwer sein, einen der ursprünglichen Besitzer ausfindig zu machen, da der Herr, der uns damals die Geige vermittelte, sich nicht mehr an Einzelheiten erinnern kann. Möglicherweise erfahre ich von ihm wenigstens, welcher Geigenbauer aus Markneukirchen sie aufgepäppelt hatte, bevor sie zu mir kam.

Vielen Dank allerseits für die Informationen und eine angenehme Woche!
Basa


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