Heinrich Riller Geigen-Laute

Moderatoren: Heidrun Eichler, Johannes Meinel, Udo Kretzschmann

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Kate
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Heinrich Riller Geigen-Laute

Beitrag von Kate »

Hallo zusammen,

wir versuchen gerade, über ein außergewöhnliches Erbstück (auf dem wir als Kinder sogar gespielt haben) so viel wie möglich herauszufinden. Siehe Fotos, innen auf dem Etikett steht: Heinrich Riller, Brunndöbra (?) Sa., Riller's Geigen-Laute, D.R.P.

Soviel konnte ich herausfinden: Brunndöbra ist in der Nähe von Klingenthal, das Instrument könnte 1910-1950 gebaut worden sein, in einer Patentdatenbank steht etwas (http://www.freepatentsonline.com/1647312.html), bei Antiquitätenhändlern/Auktionshäusern werden teils ähnliche Instrumente für ca. 60-130 Euro gehandelt.

Über Heinrich Riller finde ich ansonsten überhaupt nichts und auch zum Stichwort "Geigen-Laute" erstaunlicherweise nicht. Wisst Ihr mehr darüber, gibt es so etwas bei Euch im Museum oder hättet Ihr gar Interesse daran?

Einen netten Gruß
Kate
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Heidrun Eichler
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Re: Heinrich Riller Geigen-Laute

Beitrag von Heidrun Eichler »

Hallo Kate,

diese Instrumente scheint es in großer Stückzahl zu geben. Jedenfalls bekommen wir sie regelmäßig angeboten.
Mit den Unterlegnoten ist das Instrument schnell beherrschbar und deshalb war es für Kinder und Leute, die schnell zum Erfolg kommen wollten, das ideale Instrument.

Viel Spaß damit

wünscht Heidrun

Udo Kretzschmann
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Re: Heinrich Riller Geigen-Laute

Beitrag von Udo Kretzschmann »

Hallo Kate,

auf der deutschen Patentschrift (1927) ist nicht Wüstenbrand sondern Eisdorf im Kreis Striegau in Schlesien als (Wohn-?) Ort bei Heinrich Reller angegeben.

In Adreßbüchern für Wüstenbrand kann ich Riller nicht finden, aber in Eisdorf ist 1937 zwei mal Riller (Ida und Ernestine) vertreten. Eventuell ist dann Heinrich verzogen oder verstorben. Riller ist ein recht seltener Name, das spricht dafür, daß er in Eisdorf gewohnt hat.

Seltsam, daß zwar der Ort der Herstellung, aber nicht die eigentliche Firma auf dem Label genannt wird. Oder gibt es einen weiteren Zettel im bzw. am Instrument?

Mit freundlichen Grüßen

Udo

Udo Kretzschmann
Geigenbaumeister
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Re: Heinrich Riller Geigen-Laute

Beitrag von Udo Kretzschmann »

Hallo Kate,

ähnliche Instrumente werden nach wie vor in Brunndöbra (Klingenthal) bei der Firma C. Robert Hopf gebaut, siehe Violinzither

Ich könnte mir gut vorstellen, daß schon in den 20er Jahren die Firma Hopf die Geigen-Lauten für Riller hergestellt hat. Ich habe die Firma kontaktiert, dort gibt es aber keine Erinnerung bzw. Überlieferung an eine derartige Produktion und alte Unterlage existieren auch nicht mehr.

Mit freundlichen Grüßen

Udo

Kate
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Re: Heinrich Riller Geigen-Laute

Beitrag von Kate »

Hallo Heidrun und Udo,

vielen Dank für Eure interessanten Antworten.
Udo Kretzschmann hat geschrieben:Seltsam, daß zwar der Ort der Herstellung, aber nicht die eigentliche Firma auf dem Label genannt wird. Oder gibt es einen weiteren Zettel im bzw. am Instrument?
Ich habe bisher so etwas nicht entdeckt. Bin auch gerade nicht vor Ort, werde aber gelegentlich mal nachfragen.

Uns ist ein Museum bekannt, dass dieses Instrument zwar (als Geschenk) annehmen würde, aber wohl nicht oder zumindest nicht dauerhaft ausstellen. Dann läge es da irgendwo im Keller... was ich eher nicht so erfreulich fände. Also doch: Selber spielen ;-) Wobei ich nicht wirklich zu dem von Heidrun genannten Kreis gehöre (kann Noten ;-) habe mal Geige gespielt, paar Akkorde auf der Gitarre kann ich auch :geige: :gitarre2:)

Netten Gruß
Kate

Kate
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Re: Heinrich Riller Geigen-Laute

Beitrag von Kate »

Hallo Udo,

vielen Dank auch für diese
Udo Kretzschmann hat geschrieben:...ähnliche Instrumente werden nach wie vor in Brunndöbra (Klingenthal) bei der Firma C. Robert Hopf gebaut, siehe Violinzither

Ich könnte mir gut vorstellen, daß schon in den 20er Jahren die Firma Hopf die Geigen-Lauten für Riller hergestellt hat. Ich habe die Firma kontaktiert, dort gibt es aber keine Erinnerung bzw. Überlieferung an eine derartige Produktion und alte Unterlage existieren auch nicht mehr.
Nachfrage!!

Nette Grüße
Kate

Kate
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Re: Heinrich Riller Geigen-Laute

Beitrag von Kate »

Hallo, ich melde mich mal wieder :wink: ... mit etwas praktischeren Anliegen. Ich habe das Instrument nämlich inzwischen hier :good:

Erstmal an Udo: Ich habe keinen weiteren Zettel im oder am Instrument gefunden.

Und dann hätte ich sehr gern ein paar Tipps von Euch :-) Ich habe zwar beschlossen, die Geigen-Laute (privat) zu verschenken, möchte mich aber zuvor etwas damit befassen, auch um mich beim eventuellen Vorführen nicht total zu blamieren :pardon:

1. Zum Stimmen
Ich habe es gestimmt, mithilfe eines Korg-Stimmgerätes. Das ist mit dem beiliegenden Stimmschlüssel ziemlich fummelig. Es geht ja um ganz kleine Veränderungen, die das grobe Werkzeug nur schwer leistet, egal wie fein man versucht, es zu bedienen. Oft gibt es plötzlich einen Ruck, der viel zu groß ist.
  • Gibt es einen Trick oder besseres Werkzeug (für eine Geige benutzt man schließlich auch, mindestens für die e-Saite, einen sogenannten "Feinstimmer")?
  • Lässt sich verhindern, dass es sich schnell wieder verstimmt?
  • Kann es sein, dass die Saiten nach Jahrzehnten Schlummern hinüber sind und wo bekommt man neue? (Der Bogen könnte auch mal neu bespannt werden, aber das macht vermutlich jeder Geigenbauer.)
Dass man zum Stimmen wohl nicht nur ein Stimmgerät, sondern seine Ohren (meine sind recht gut) einsetzen sollte, ahne ich nach dieser Beschreibung: https://www.stennes-falter.com/2011/06/ ... ordzither/

2. Ist das ein Instrument für "Paare"? ;-)
Meine Schwester erinnerte mich daran, dass wir das Instrument als Kinder zu zweit gespielt haben (und hat mich damit auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt - ich hatte womöglich etwas geprahlt mit meiner Behauptung, das allein hinbekommen zu haben :rolleyes:): Einer zupft die Akkorde, einer streicht die Melodie. Gehe ich recht in der Annahme. dass es aber doch für einen Spieler gedacht ist?

3. Gibt es eine Bedienungsanleitung dafür?
Ich kann mir die Bedienung ungefähr zusammenreimen, die Haltung z.B. erklärt sich wohl von selbst, wenn man die rechte Hand als Bogenhand benutzen und die Beschriftungen lesen möchte. Diverse "Noten" liegen bei, aber keine eigentliche Anleitung.
  • Wie schafft man es, wirklich nur den gewünschten Akkord zu "erwischen"? (Insbesondere wenn die Antwort auf die zweite Frage "ja" ist und man also sein Hirn "zweiteilen" muss, um sich gleichzeitig auf das Streichen der Melodie zu konzentrieren?) Für einen motorisch nur normal begabten Menschen scheint mir das nicht so einfach.
  • Fehlt da evtl. noch irgendein Hilfsmittel in der Art eines Plektrums (ich meine mich zu erinnern, dass ich so etwas als Kind dafür benutzt habe, meine Mutter spielte Gitarre, von daher gab es so etwas in unserem Haushalt).
Ich habe inzwischen den Eindruck gewonnen, dass man im Internet deutlich mehr findet, wenn man als Suchwort nicht "Geigen-Laute", sondern z.B. "Violin-Zither", "Violin-Harfe",... (?) eingibt. Die gefundenen Instrumente sind dann zwar nicht genau gleich, aber vergleichbar (z.B. http://deerbe.com/unt/73271-alte_konzer ... ither.html, hier scheinen mir "Melodie-" und "Begleitungs-"Teil einfach anders angeordnet).

Nette Grüße
Kate

Kate
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Re: Heinrich Riller Geigen-Laute

Beitrag von Kate »

P.S.
Weitere Begriffe laut meinem o.g. Link (https://www.stennes-falter.com/2011/06/ ... ordzither/) zum Stimmen:

Akkord-Zither (ist wohl der Oberbegriff)
Guitarr-Zither
Mandolin-Zither
Streich(Violin)-Zither

dann jeweils noch nach der Anzahl der Akkorde (bei mir 4) und Saiten (bei mir 18) gegliedert. Zum Kaufen von Saiten finden sich dort auch Tipps. Im Kasten liegen zwei (leere) Saitentütchen von "Romana".

Kate
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Re: Heinrich Riller Geigen-Laute

Beitrag von Kate »

Ich möchte kurz ergänzen, dass ich erst nach dem Schreiben meiner Beiträge gestern darauf kam, mal bei Youtube zu schauen. Da gibt es eine ganze Menge. Von daher werde ich vermutlich mindestens einen Teil meiner Fragen dort beantwortet finden. Mit dem Plektrum lag ich wohl richtig, ob man da bestimmte braucht, weiß ich noch nicht.

Noch einen Gruß
Kate

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