Tuba von August Clemens Glier

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Corvinus
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Registriert: Mi 12. Dez 2012, 21:21

Tuba von August Clemens Glier

Beitrag von Corvinus »

Hallo,
ich hoffe hier ein wenig Hilfe zu finden. Mein Urgroßvater hat vor ca. 60 Jahren auf einer Tuba in einem Posaunenchor gespielt, die ich über Umwege nun erhalten habe. Dazu habe ich folgende Info von einem Bekannten erhalten:

"Die alte Tuba, die Dein Urgroßvater hatte, wurde 1968 oder 1969 in ein B-Instrument umgebaut. Vorher war es ein C-Instrument (Sogar mit zweiten eingebauten Trichter??). Es wurden aber wesentliche Veränderungen an dem Instrument vorgenommen. Im Nachhinein hat man es bereut, weil es ein sehr seltenes Instrument gewesen ist. Es stammte wohl aus Markneukirchen (August Clemens Glier). Der Trichter wurde aber durch einen anderen ersetzt. Man erkennt es noch an der Färbung des Messings. Die von Deinem Urgroßvater war immer eine 1/2 und gehörte wohl zum Gründungsbestand (Gründungdatum ca. 1880) des Chores."

Da es keinen mehr gibt, der genau weiß, was im Jahr 1968 bzw. 1969 umgebaut wurde würde ich gerne wissen, ob es wirklich eine Tuba mit zwei Trichtern gab. Evtl. eine Doppeltuba in B und C? Gibt es einen Katalog mit Bildern aus der Zeit um 1880? Kann die Geschichte überhaupt stimmen, da doch so viel umgebaut wurde?

Im Anhang habe ich ein Gruppenfoto aus den 50ern mit der noch nicht umgebauten Tuba (stehend, Mann mit Schnäuzer) angehängt. Ein detaillierteres Bild habe ich leider nicht.

Vielen Dank für die Hilfe

Corvinus
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tuba.jpg

Corvinus
Beiträge: 19
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Re: Tuba von August Clemens Glier

Beitrag von Corvinus »

Hallo,
ich habe mich nun nach einiger Zeit wieder mit der Historie meiner Tuba beschäftigt und vermute, dass die Aussage meines Bekannten sich auf ein Missverständnis bezog. Ich vermute, dass es sich nicht um einen angeblich zweiten Trichter, sondern "nur" um einen Stimmzug in C- und in B handelt. Mir liegt mittlerweile ein Foto aus der Zeit um 1900 vor, auf dem ein anderer Stimmzug zu erkennen ist, als in den 30ern bzw. in den 50er Jahren.

Leider habe ich keine Informationen bisher finden können, ob es sich wirklich um eine Glier Tuba handelt und in den Katalogen aus um 1925/1930 (vielen Dank an Brasstacks) wird auch nur von Bombardons mit B-Stimmungen geschrieben. Weiß jemand, ob es von der Firma Glier C-Tuben (mit Wechselstimmzug) gab oder suche ich gerade in die falsche Richtung?

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit eine B-Tuba der Firma Glier anzuspielen (Alter war jedoch unbekannt), die optisch meiner alten Tuba ähnlich sah, jedoch eine reine B-Tuba war. Höhe (97 cm), Trichterdurchmesser (ca. 35 cm), Mundstückrohr (ca. 14 mm) stimmen jedoch exakt mit meiner Tuba überein. Unklar ist mir noch immer, ob die Geschichte, dass die Tuba auf B Stimmung umgebaut wurde, überhaupt sein kann, da sie jetzt optisch doch sehr gegenüber den Fotos aus den 1900-1960er Jahren abweicht.

Evtl. kann mir hier jemand helfen, den Hersteller und das Alter zu identifizieren.

Viele Grüße
Hilko

P.S.: Wie kann man hier eigentlich größere Bilder einfügen?
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heutiger Zustand mit B-Stimmung
heutiger Zustand mit B-Stimmung
IMG_5412 heutiger Zustand umgebaut - klein.jpg (31.55 KiB) 3251 mal betrachtet
Tuba um 1900 mit C-Stimmzug?
Tuba um 1900 mit C-Stimmzug?
um 1900.jpg (44.79 KiB) 3251 mal betrachtet
Tuba 1951 mit B-Stimmzug?
Tuba 1951 mit B-Stimmzug?

Mario Weller
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Re: Tuba von August Clemens Glier

Beitrag von Mario Weller »

Hallo Hilko,

ein gesundes Neues Jahr wünsche ich Ihnen noch, und Entschuldigung, dass ich den ersten Teil Ihrer Frage gar nicht registriert und geantwortet habe. Aber ab und an geht etwas auch verloren und ist vergessen.

Es gab schon einmal Doppeltuben, sogar welche die zwei Schallstücke besaßen, gebaut auch in Markneukirchen. Diese waren jedoch für die Stimmungen F und B mit dem Gedanken konstruiert, jeweils eine "vollwertige" Tuba der jeweiligen Stimmung zu erhalten.

Dies war Ihre Tuba aber nicht, auch halte ich es für höchst unwahrscheinlich, dass man C/B-Doppeltuben zu bauen in Erwägung gezogen hat. Dazu ist im einfachsten Falle (aber auch unprofessionell) ein längerer Stimmzug von Nöten, welcher die C-Tuba in ihrer Grundstimmung um einen Ganzton vertieft.

An Ihrer Tuba wurde schon auch am Stimmzug geändert, ebenso aber auch am Schallstück und am Mundrohr. Ich vermute, der betreffende Instrumentenmacher hat ganz bewusst und mit Berechnung gleich an mehreren Stellen der Tuba jeweils ein wenig "zugegeben" um eine spielfähige, gut intonierende B-Tuba und nicht eine kaputt-reparierte ehemalige C-Tuba zu erhalten.

In Katalogen von August Clemens Glier konnte ich bisher (man korrigiere mich bitte bei Auffinden eines Hinweises) keine C-Tuben finden. Stets nur Tuben in Es, F und B und jeweils mit 3 oder 4 Zylinderventilen.

Wenn Ihre Überlieferung stimmt, dann möchte ich auch gerne an August Clemens Glier glauben. Jedoch war Aug. Cl. Glier nur ein großer Instrumentenhändler, selbst kein Hersteller. D.h. die eigentliche Werkstatt / Herkunft kann praktisch so gut wie nicht ermittelt werden.


Mit freundlichen Grüßen

Mario Weller

Corvinus
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Re: Tuba von August Clemens Glier

Beitrag von Corvinus »

Hallo,
ich wünsche auch viel Erfolg im neuen Jahr.

Die Historie der Tuba habe ich nun für mich wie folgt rekonstruiert:
1881 Gründung Posaunenchor (angeblich war die Tuba ein "Gründungsmitglied"
1900 ältestes Foto der Tuba mit einem kurzen Stimmzug (C-Stimmung?)
ca. 1930 u. 1951 Foto der Tuba mit einem geschwungenen Stimmzug (B-Stimmzug?)
1968 Umbau der Tuba in eine reine B-Tuba (geändertes Mundrohr, kurzer Stimmzug, geänderte Rohrführung des oberen inneren Rohres, etc.)
1988 Anschaffung einer neuen Tuba

Damit hat diese Tuba wahrscheinlich ca. 100 Jahre aktiv im Posaunenchor mitgewirkt. Ob ein heutiges China-Instrument auch solch eine Zeit überdauert wage ich zu bezweifeln.

Auf Fotos von anderen Posaunenchören habe ich im Internet gesehen, dass es häufiger Instrumente mit einem verlängerten Stimmzug (eine extra Schleife) gab. Gehörten solche geschwungenen Stimmzüge zu B-Instrumenten oder waren es umgebaute C-Instrumente?

Mit freundlichen Grüßen
Hilko

Mario Weller
Metallblasinstrumentenbaumeister
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Re: Tuba von August Clemens Glier

Beitrag von Mario Weller »

Hallo Hilko,

ich gebe Ihnen Recht, derzeit gebaute Instrumente müssen erst einmal eine so lange Zeit durchhalten. Egal ob in China gefertigt oder auch wo anders.

Der, wie Sie es gut und anschaulich beschreiben, "geschwungene" Stimmzug ist kein Alleinstellungsmerkmal für eine C-Tuba. Im Allgemeinen hat man als Instrumentenmacher bei der Tuba zwei Grundkonstruktionen für den Stimmzug. Erstens den "Stimmzug nach unten", zweitens den "Stimmzug quer" (mit Option diesem noch einmal eine Windung anzuhängen). Beide Varianten haben ihre Vorzüge aber auch ihre Nachteile - gemeint ist vor allem die Entleerung des anfallenden Kondenzwassers.
Die Variante "quer" mit zusätzlicher Windung wurde aber auch meißt aus Platzgründen angewendet. Also einfach dann, wenn man den Korpus der Tuba sehr klein gehalten hat. Das selbe gilt es übrigens auch bei alten (ovalen) Althörnern, Tenorhörnern und Baritons zu beobachten.


Mit freundlichen Grüßen

Mario Weller

Corvinus
Beiträge: 19
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Re: Tuba von August Clemens Glier

Beitrag von Corvinus »

Hallo Herr Weller,
Ihren Ausführungen zu den verschiedenen Bauarten des Stimmzuges kann ich gut folgen. Jedoch scheint mir bei dieser Tuba auf dem Bild von 1900, auf dem der Bläser ein Buch hält, keine extra Windung vorhanden zu sein. Auf dem Bild auf dem der Tubist steht (ca. 1951) ist eine extra Windung vorhanden. Ansonsten wurde zwischen diesen beiden Aufnahmen die Tuba nicht verändert. Erst im Jahr 1968 wurde die Tuba umgebaut. Somit wurde die Tuba mit einem kurzem und einem langen Stimmzug gespielt. Daher meine Vermutung, dass es sich um C- bzw. B-Stimmzüge handeln muss. Ob sich dieses Rätsel mit den zwei Stimmzügen jemals lösen lässt, wage ich langsam zu bezweifeln.

Die Erfahrungen mit dem schlechten Ablassen des Kondenswassers habe ich auch schon gesammelt. Bis vor kurzem habe ich auf einer Yamaha Tuba mit quer liegendem Stimmzug gespielt und keine Rückstände von Kondenswasser gehabt. Meine jetzige B&S Tuba mit hängendem Stimmzug hingegen kann ich über die Wasserklappe nur mäßig entleeren. Hier hilft nur den Zug komplett zu ziehen und so auszuleeren.

Mit freundlichen Grüßen
Hilko

Heiko1970
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Re: Tuba von August Clemens Glier

Beitrag von Heiko1970 »

Hallo Corvinus,

erst einmal allen Forumsmitgliedern ein gutes Jahr 2014!
Je nachdem, welche lokale Vorgeschichte die Tuba hat, ist es auch möglich, dass sie ursprünglich in einer hohen Militärstimmung gestimmt war (im k. u. k. Raum etwa a1 = 461 Hz).
Der Stimmzug hätte das Instrument dann auf 435 Hz oder 440 Hz runtergestimmt.
Da die Tuba mit das teuerste Blechblasintrument ist, wurden an ihr auch eher Umbauten und Reparaturen zur Erhaltung der Spielfähigkeit durchgeführt. Eine Trompete kann dann doch schneller mal ersetzt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Heiko

Corvinus
Beiträge: 19
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Re: Tuba von August Clemens Glier

Beitrag von Corvinus »

Hallo,
ich glaube der Hinweis auf die k.u.k. Stimmung mit 461 Hz war der Richtige. Über Ebay bin ich an ein optisch ähnliches Instrument von Glier gelangt, das im Raum Bremen gespielt wurde. Leider ist hierzu die Historie unbekannt. Es wurde auf dem DAchboden eines Hauses gefunden und der ehemaliger Besitzer ist an Demenz erkrankt und erinnert sich an nichts. Für mich war es unmöglich das Instrument auf 440 Hz zu stimmen. Wenn man das Stimmgerät auf ca. 461 Hz stellt, stimmt das Instrument hingegen gut. Sofern ich versuche die 440 Hz zu erreichen, muss ich den Stimmzug so weit herausziehen, dass er fast herausfällt.

Da meine "Familientuba" in Ostfriesland gespielt wurde, kann es auch sehr gut sein, dass es auf 461 Hz gestimmt war und dann durch den verlängerten Stimmzug auf 440 Hz heruntergestimmt wurde. Dabei wurden dann vermutlich die einzelnen Ventilzüge vernachlässigt. Daher stimmte dann das Instrument zwar in den Grundtönen aber bei Griffen nicht mehr. Daher erfoglte dann der Umbau in ein B-Instrument mit Stimmung von 440 Hz - Soweit meine persönliche Erklärung zu den Umbauten am Instrument. Was der Hinweis auf ein "Doppelinstrument" zu bedeuten hat, kann ich allerding nicht mehr nachvollziehen.

Da die Orgel bei uns im Ort auch ca. 1/2 Ton Höher gestimmt ist, ist es unmöglich mit dem Posaunenchor zusammen zu spielen. Sofern die Instrumente um 1900 alle auf 461 Hz gestimmt waren, war es damals vermutlich möglich mit der Orgel zusammen zu spielen?

Nun ergeben sich für mich zwei Fragen:

Weiß jemand, ob die k.u.k. Stimmung auch in Ostfriesland/Bremen üblich war? Schließlich habe ich nun schon 2 Tuben und eine Orgel gefunden die in dieser Stimmung gespielt wurden/werden. Somit müssten dann auch andere Instrumente (Kuhlohörner, Tenorhörner, etc.) eine 461 Hz Stimmung haben?

Was mache ich mit der Tuba von Ebay, die auf 461 Hz gestimmt wurde? Umbau auf 440 Hz lohnt vermutlich aus Kostengründen nicht. Leider hat beim Transport auch der Schalltrichter gelitten, so dass dieser ncoh ein paar Dellen mehr hat. Mit anderen zusammen spielen kann ich auch nicht, da es nciht exakt ein Halbton ist. Für ein Instrument das vermutlich älter als 100 Jahre ist, klingt sie noch passabel. Oder kann ich das Instrument jetzt nur noch als Dekoartikel nutzen?

Bei Gelegenheit werde ich noch ein paar Fotos einstellen.

Viele Grüße und vielen Dank für die Hilfe bei den Nachforschungen.

Hilko

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