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 Betreff des Beitrags: Mechanik Klarinette
BeitragVerfasst: Do 17. Jan 2013, 14:57 
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Registriert: Fr 28. Jan 2011, 14:50
Beiträge: 20
Hallo,

mir ist letztens aufgefallen, daß die Mechanik einer H. Wurlitzer eine in jeder Hinsicht SEHR große Ähnlichkeit zu der meiner original Uebel hat, aber 20 Jahre jünger ist.
Daher stelle ich mir die Frage, ob es eine Firma gibt oder gegeben hat, von der alle Klarinettenhersteller ihre Klappen bezogen haben oder ob sich da jemand hat inspirieren :pleasantry: lassen. Aus dem Aufsatz über Uebel im Rohrblatt geht die Herkunft der (bei mir handgeschmiedeten) Mechanik nicht ganz eindeutig hervor.

Gruß

Schwarzwurzel


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 Betreff des Beitrags: Re: Mechanik Klarinette
BeitragVerfasst: Do 17. Jan 2013, 20:55 
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Registriert: Di 02. Okt 2007, 11:17
Beiträge: 1451
Wohnort: 69xxx bei heidelberg
richtig,

es gab reine klappenschmiede, und sogenannte ansetzer.

wer ein renomee hatte als hersteller kaufte auch bei einem renomierten klappenschmied.

uebel ist älter und h.wurli hat über f. wurli die gesamten verbindungen kennengelernt.
oehler war noch vorher da und hatte mit f. wurli kontakt und schwupps ist eine kette gebildet.

heute ist das nicht anders.

gruss


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 Betreff des Beitrags: Re: Mechanik Klarinette
BeitragVerfasst: Do 17. Jan 2013, 23:06 
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Mitglied des Museumsvereins

Registriert: Do 26. Jan 2006, 20:44
Beiträge: 460
Wohnort: Markneukirchen
Guten Abend Mechanikfreunde,

der reine Klappenschmied, der nur einzelne Klappen bzw. Mechanikteile angefertigt hat, war auch zur alten Uebel-Zeit die Ausnahme. Das Von-Hand-Schmieden wurde aber von vielen damaligen Ansetzern beherrscht, fand aber mit der Zeit nur noch bei den besseren Klarinetten Anwendung.

Bekannt dafür waren die Ansetzer in Regnitzlosau (dazu gibt es in unserem Oehlerbuch einige Ausführungen, einen separaten Beitrag hatte ich dazu vor Jahren in der IZ). Die Regnitzlosauer haben bis zur Währungsreform 1948 zum großen Teil nach Markneukirchen gearbeitet, aber auch schon zu Müller oder Heckel, angefangen hat alles mit Oehler.

Mit der Übersiedlung von Herbert Wurlitzer nach Neustadt/A. war es naheliegend, dass die Regnitzlosauer Handwerker, auch wenn derer immer weniger wurden, für ihn arbeiteten. Das kann die Ähnlichkeit der Mechanik erklären, die Namen der Meister sind bekannt.

Nach der Wende hat dann die Firma Herbert Wurlitzer auch einige vogtländische Ansetzer beschäftigt und 1999 in Markneukirchen ihre Zweigwerkstatt eingerichtet. Unmittelbar nach 1990 gab es Männer, die schon vor 1963 für FAU gebaut haben und dann eben bei Wurlitzer angefangen haben.

Wie schon Ralph sagte: Die guten Leute waren und sind bekannt, so dass es Linien und Kontinuitäten gibt, selbst wenn die Marken konkurrierten.

Viele Grüße
E. Weller


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 Betreff des Beitrags: Re: Mechanik Klarinette
BeitragVerfasst: Fr 18. Jan 2013, 21:22 
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Registriert: Di 02. Okt 2007, 11:17
Beiträge: 1451
Wohnort: 69xxx bei heidelberg
die informative weiterführung von Herrn Weller (danke Enrico) veranlasst mich noch ein paar zeilen schreiben.

klappen schmieden war die königsklasse der herstellung und somit aufwändig. im zuge der industrialisierung suchte und fand man wege preiswerter herzustellen. dazu gehörte auch das gießen von klappen.
beginnend im recht plumpen sandguss, endet im heutigen vakuumguss, der so fein ist, dass man fast keinen unterschied erkennt zu geschmiedeten klappen.

ganz so leicht können wir es uns aber nicht machen ...selbst die geschmiedeten klappen fanden unterschiedliche fertigungen.
so gibt es klappen, bzw ringe die zwar rund geschmiedet wurden, jedoch in einem bereich der rundung offen waren und erst "rund" wurden durch schließen der rundung durch eine LÖTUNG die dann überarbeitet wurde.
der absoulte meister zog jedoch das teil auf einen dorn auf und schmiedete aus dem vollen, ohne den lötvorgang zu benutzen. das war das edelste in der herstellung und nur von wenigen meistern beherrscht.
so ist es auch erklärlich dass wirklich gute hersteller und lieferanten das beste nahmen für ihre besten instrumente.

erwähnenswert sind noch die zwischenstufen der gusstechnik, die sich im laufe der jahre natürlich verbessert haben, deren arbeitsschritte sprengt jedoch dieses forum.

ene weitere anmerkung. es gab um 1900 hersteller die ALLES fertigten. nach und nach beschränkte man sich dann auf teilbereiche, die zur spezialisierung führten und der (reine)klappenschmied war geboren.

zum teil gab es auch erhebliche wartezeiten bei den klappenschmieden, da der nachwuchs handverlesen war und die (im wahrsten worte ) kunst nur vertrauensvollen "nachkömmlingen"
anvertraut wurden.

heute regiert der vakuum-feinguss, wie man ihn auch in dem dental-bereich und angegliederten fachbereichen kennt.

eine persönliche bemerkung erlaube ich mir noch - die h. wurli klappen empfinde ich einfach als plump und grobschlächtig zum renomee des namens.
andere hersteller haben mit filigraneren arbeiten die ästethik der klari wesentlich besser betont.

:wink2: :unknow:


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 Betreff des Beitrags: Re: Mechanik Klarinette
BeitragVerfasst: Sa 19. Jan 2013, 12:45 
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Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 14:06
Beiträge: 170
Wohnort: Erlbach
Hallo intune und alle, die sich für "Klappenschmied" interessieren,

bis in die 1970er Jahre war es auch üblich (jedenfalls in Markneukirchen und Umgebung), dass sich die "Ansetzer" selbst ihre Klappen geschmiedet haben. Man hat von Chef am Anfang des Monats seine Ober- Unterstücke und Becher erhalten, ist dann ins Lager gegangen, hat sich Neusilberstangen (4,5-6 mm) genommen. Die hat man dann abgesägt in der nötigen Länge. Danach wurden diese mit einem ca. 1000 gr. Hammer "tüchtig" bearbeitet. Dazwischen natürlich immer wieder "Ausglühen", wie man dies in vielen Werkstätten genannt hat. Natürlich ist dieser Ausdruck falsch, war aber in der Region Markneukirchen üblich. Ein Satz Klappen, na so ungefähr 2 1/2 Stunden hat es je nach Modell schon gedauert (jedenfalls bei Oboen).
Danach wurden die Teile/Klappen "auf- und abgefeilt". Danach wurde "geformt".
Und da sind wir auch wieder bei den Klappenschmieden. Diese haben natürlich auch viele Klappen an die Werkstätten geliefert, aber diese hatten nur eine "Grundform", die dann, je nach Geschmack des HB, in die entgültige Form gebracht wurde. Klappenschmiede waren also oft hochgeschätzte "Vorarbeiter". Das "Endprodukt" haben diese aber kaum beeinflusst.
Eine "Königsklasse" war es nicht. Klappenschmieden gehört ganz einfach dazu, wenn man sich HB nennen will.

Viele Grüße

Hannes


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 Betreff des Beitrags: Re: Mechanik Klarinette
BeitragVerfasst: Sa 19. Jan 2013, 15:50 
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Registriert: Fr 28. Jan 2011, 14:50
Beiträge: 20
Hallo zusammen,

das sind ja eine ganze Menge Infos, vielen Dank.
Zu den Ringen: Die nicht lötenden Schmiede waren also praktisch die Gebrüder Mannesmann der Klappenschmiede :clapping:
Noch ein Wort zu Intunes Einschätzung von H. Wurlitzers Klappen: Zu der der einfachen Modelle kann ich nichts sagen, aber das Solistenmodell, das ich gesehen habe, hatte eine für mein Empfinden sehr schöne Mechanik, eben die meiner Uebel.
Fazit: Was bei Uebel gut war, kann bei Wurlitzer nicht schlecht sein! :v:

Viele Grüße

Schwarzwurzel


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 Betreff des Beitrags: Re: Mechanik Klarinette
BeitragVerfasst: Sa 19. Jan 2013, 18:45 
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Registriert: Di 02. Okt 2007, 11:17
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Wohnort: 69xxx bei heidelberg
Hallo Hannes,

ich kommenicht umhin etwas zu erwidern.

wenn der klappenschmiede zuviel schmiedet macht es das werkstück kaputt er schmiedet es aus.die qualität des werkstoffes leidet und die arbeit wat futsch.

das formen, sprich versäubern, feilen, schlichten, dann feinbearbeitung ist natürlich auch verfänglich - ab ist ab und das teil auch wieder am a.... :pardon: aber si finde ich überschaubar da der prozess als solcher jeder zeit unterbrochen werden kann.

der schmied MUSS am teil bleiben. insofern bewerte ich den klappenschmied als königsklasse, natürlich ist der feinstimmer sein bruder.

das was ich mir wünschen würde wäre einmal ein video auf der platte und in youtube eingestellt der all die arbeitsschritte zeigt. ich kenne die beiträge von keili und schreiber, buffet pp. jedoch wird da nur gestückelt und ohnehin nur feingussteile gezeigt. DAS WÄRE EINE AUFGABE.

jedenfalls betrachte ich die handwerkliche schaffung eines instrumentes als schöpfungsgeschichte, die letztendlich eine seele hat.

salute salami


nachsatz:
alte übel waren einfach graziler und selbst f.w .waren schöner als die h.w.
richtig wäre der einwand, dass die filigranen schneller brechen können und man sich dafür für eine etwas verstärkte bauform entschieden hat - lol - aber das auge ist mit.

filigran: = sandner, hammerschmidt, oehler, todt und einige mehr.

und zum schluss: nix für ungut.

;-)

hallo Juli, ich sehe dich lächeln......basett steht an .... :smile:


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 Betreff des Beitrags: Re: Mechanik Klarinette
BeitragVerfasst: So 20. Jan 2013, 13:06 
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Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 14:06
Beiträge: 170
Wohnort: Erlbach
Hallo intune,

zu Deiner Erwiederung: "schmiedet das Material aus": also wenn mann wirklich das Neusilber ausglüht(!!!), geht natürlich dieses in die Binsen, mal mehr oder weniger. Aber bei der richtigen Temparatur, das kriegt man in der Zeit mit, wird ganz einfach die Metallgitterstrucktur des Neusilbers (natürlich auch bei anderen Metallen) wieder auf die ursprüngliche Form zurückgeführt. Das sind aber Erfahrungswerte. Beim Bearbeiten erkennt man das ganz einfach. Mein Lehrmeister sagte immer: "Der eine lernts, der andere nie". Und wenn halt mal eine Klappe in a.. ist, dann ganz einfach hinsetzen, und in 10 Minuten ist eine neue gehämmert. Kein Aufwand!!
Und nochmals: Holzblasinstrumentenbau ist nicht nur Austimmen und Namen auf das Stück verewigen.
Es beginnt beim Klappenschmieden, Holz drehen, ansetzen und Fertigmachen (noch einige Dinge sollte man dazwischen noch tun, also: ausräumen (Bohrung), Lackieren, Simmen usw. . All dies können auch viele HB in unserer Region noch. Klappenschmiede waren Zulieferer!! Nicht mehr und nicht weniger.

Gruß Hannes


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 Betreff des Beitrags: Re: Mechanik Klarinette
BeitragVerfasst: So 20. Jan 2013, 14:33 
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Registriert: Di 02. Okt 2007, 11:17
Beiträge: 1451
Wohnort: 69xxx bei heidelberg
Hallo Hannes,

ich kann nur hoffen dass mein beitrag, bzw. dieser satz eine versöhnung herbeiführt:

...jedenfalls betrachte ich die handwerkliche schaffung eines instrumentes als schöpfungsgeschichte, die letztendlich eine seele hat.....

davon abgesehen, werde ich mal telefonischen kontakt mit Dir suchen.

all - schönen restsonntag

ich sitze gerade an cold song von purcell für 6 saxophone, so hat jeder seinen t..k :wink2: :v:

over


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 Betreff des Beitrags: Re: Mechanik Klarinette
BeitragVerfasst: So 20. Jan 2013, 22:16 
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Mitglied des Museumsvereins

Registriert: Do 26. Jan 2006, 20:44
Beiträge: 460
Wohnort: Markneukirchen
Als klarinetteninteressierter Nichthandwerker möchte ich die Diskussion noch in eine Richtung abrunden, die sich auf das geschriebene und gedruckte Wort und auf die Klarinettenbaugeschichte bezieht.
Da ich heute gerade einen Händlerkatalog (G. Herrnsdorf 1935) in Arbeit hatte, stelle die daraus die beiden Klarinettenseiten ins Forum.
Dort ist deutlich zu lesen, dass nur die besseren Modelle (ab den 1930er Jahren Oehler) mit handgeschmiedeten Klappen versehen wurden. Die einfache Ware hatte damals Gussklappen, später gab es Firmen, in denen auch gestanzt wurde. Da kennen sich die Handwerker sicherlich besser aus.

Die Unterscheidung zwischen der einfachen Neusilbergarnitur und den „handgeschmiedeten Drahtklappen“ findet man auch in anderen Katalogen. Ich hätte auch einen originalen FAU-Katalog nehmen können, aber bei Herrnsdorf ist das zufällig so schön auf einer Seite.
Ich nehme an, diese Unterscheidung beider Herstellungstechniken war bei Klarinetten und Flöten aufgrund der hohen Stückzahl sinnvoll, bei Oboe und Fagott offenbar weniger oder gar nicht?

Die Grenze zwischen dem Klappenschmied und dem Ansetzer kann man – vor allem im Hinblick auf die Klarinette – nicht sehr streng ziehen. In der Tat gab es die reinen Klappenschmiede. Sie arbeiten vor allem in den Dörfern nördlich von Adorf (Marieney und Unterwürschnitz), ich hatte Ihnen in meinem Buch im Kapitel Arbeitsteilung/Spezialgewerbe einige (wenige) Sätze gewidmet.

Ihre „handgeschmiedete Mechanikteile“ (so war das noch vor Jahren bei den letzten Klarinettenmacher zu lesen, die sich beliefern ließen) wurden von den Ansetzern weiterverarbeitet, wie das Hannes beschrieben hat. Es gab aber auch Ansetzer, die ohne diese Vorarbeit alles selbst geschmiedet haben. Das waren dann vor allem die Regnitzlosauer und einige wenige Mitarbeiter der Firma F. Arthur Uebel.

Ich denke, dass unsere Diskussion genau bei diesen Klappenschmieden ihren Anfang nahm, denn es ging ja um Klarinettenbauwerkstätten, die mit Regnitzlosau und der alten Uebel-Ära stark verbunden waren. Wenn man will, kann man diesen „handschmiedenden Ansetzern“ wirklich die Königskrone aufsetzen. Sie haben einen besonders eleganten und filigranen Stil mit hervorragenden Spieleigenschafen geprägt, und das bis an die Grenze der Zerbrechlichkeit ausgereizt. Ein solches Instrument steht hinter mir und ich würde gleich mal wieder reinblasen, wenn nicht alles andere schon schliefe.

Eine schöne Woche wünscht
Enrico
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