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Forum des Musikinstrumentenmuseums Markneukirchen
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BeitragVerfasst: Mi 24. Jan 2018, 22:40 
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Registriert: Mi 24. Jan 2018, 22:27
Beiträge: 4
Ich hatte mich an das hiesige Museum mit der Frage gewandt, ob dort eine Abbildung des Signalinstruments der Fa. Max B. Martin mit einer Tonaufnahme (Kaiserfanfare nach Heda-Hedo-Motiv aus der Wagneroper Rheingold) bekannt ist, das Martin um 1905 für Automobile Kaiser Wilhelms II. entworfen haben soll. Das Museum mußte passen und hat mich an die Forumgemeinde verwiesen. Ich frage deshalb: Ist jemand unter Ihnen, der hierzu etwas weiß?
Meine entsprechende Anfrage an die Fa. Max B. Martin in Philippsburg (früher Markneukirchen) ist bisher unbeantwortet.


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BeitragVerfasst: Sa 27. Jan 2018, 23:16 
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Mitglied des Museumsvereins

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Beiträge: 467
Wohnort: Markneukirchen
Guten Abend Stallmann,

Ihre konkrete Frage muss ich leider für mich und auch für unser Museum verneinen.

Die Überlieferung zur viertönigen Hupe für den Kaiser ist kaum auf originale Dokumente gegründet. Mündlich gibt es dazu viele Varianten, 1910 findet man wenigstens einen schriftlichen Beleg in einer Zeitung und letztlich spricht die später vorkommende Bezeichnung „Kaiserfanfare“ auch dafür, wenngleich es da nicht mehr um die Autohupe ging, sondern um den Vorläufer der Martin-Trompete/der Schalmei.

Aber Ihnen geht es ja nicht um diese bekannten Informationen, sondern um konkrete Abbildungen oder gar Tonaufzeichnungen. Da müssen wir passen.

Einen Hinweis kann ich noch geben. Vor acht Jahren habe ich gemeinsam mit einem MDR-Redakteur die bekannten Hintergründe zur Martin-Auto-Hupe bis hin zum Martin-Horn für einen kurzen Filmbeitrag zusammengefasst. Dort finden sich dann auch Filmdokumente, die den Kaiser beim Verlassen seines exklusiv hupenden Wagens zeigen. Als Hintergrund gab es dann das bekannte Wagner-Thema. Vgl, MDR-Beitrag zur „SachsenClassic“ 2010 (28.08.2010, später im Sachsenspiegel-Extra)

Das Heda-hedo kann man mit gutem Willen dann bis ins Tatütata der Feuerwehr verfolgen und stolz darauf sein, wie die Spuren des großen Komponisten bis in den Alltag zu finden sind. Im Wagner-Jahr habe ich das mehrfach so kolportiert. Aber man kann das auch realistisch betrachten. Signale mit Dreiklangstönen gab es im Militär schon lange vor Wagner …

Herzliche Grüße
E. Weller

PS: Mit dem hiesigen Museum meinen sie sicherlich unseres in Markneukirchen. Wohnen sie auch hier? Dann kommen Sie einfach mal vorbei.


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BeitragVerfasst: So 25. Feb 2018, 11:48 
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Registriert: Mi 24. Jan 2018, 22:27
Beiträge: 4
Hallo Herr Dr. Weller,
vielen Dank für Ihre Hinweise, die ich fast übersehen hätte, wäre ich nicht noch extra darauf hingewiesen worden.
Inzwischen hat mir Max B. Martin eine kurze Information zukommen lassen. Alte Unterlagen sind nach Enteignung und Flucht in Markneukrichen geblieben. Deswegen habe ich jetzt noch im Staatsarchiv Chemnitz nachgefragt, ob der übernehmende VEB ein Betriebsarchiv hinterlassen hat. Vielleicht kommt von dort noch etwas.
Die Kaiserfanfare soll wie folgt gestimmt gewesen sein: Es-Dur b' es'' g'' b''. Nun bin ich leider musikalisch nicht ausgebildet, um eine Ahnung zu haben, wie das klingt. Mit dem Martins-Horn darf es keine Ähnlichkeit haben, da die Kaiserfanfare dem Kaiser allein vorbehalten war. Mir ist vom Musikverein Laupheim geschrieben worden, daß die gleiche Tonfolge in einem Automobilmarsch für Orchester des Komponisten S. Translateur vorkomme. Dieser Marsch ist dem Kaiser vorgespielt worden, er soll ihm gefallen haben. Eine Hörprobe finden Sie hier: https://stadtkapellelaupheim-my.sharepo ... g?e=SCaWp4.
Ich suche weiter eine Abbildung des Signal-Instruments.
Soviel für heute meinerseits. An weiteren Hinweisen und Bemerkungen bin ich unverändert interessiert, insbesondere zum "Schicksal" des VEB.
Beste Grüße
Stallmann aus Brandenburg


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BeitragVerfasst: So 25. Feb 2018, 11:59 
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Registriert: Mi 24. Jan 2018, 22:27
Beiträge: 4
Hallo Herr Dr. Weller,
nachtragen möchte die Frage, ob der von Ihnen erwähnte Zeitungsbeleg mir übermittelt werden könnte. An wen muß ich mich wenden?
Beste Grüße
Stallmann


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BeitragVerfasst: Mo 26. Feb 2018, 8:22 
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Mitglied des Museumsvereins

Registriert: Do 26. Jan 2006, 20:44
Beiträge: 467
Wohnort: Markneukirchen
Lieber Herr Stallmann,

die Firma Max B. Martin wurde 1950 für kurze Zeit treuhänderisch weitergeführt und dann 1953 zum Werk I des VEB B & S (Blechblas- und Signalinstrumentenfabrik Markneukirchen). Teile von dessen Betriebsarchiv wurden vor einigen Jahren von unserem Museum übernommen. Sie sind aber nicht erschlossen und derzeit auch ausgelagert, da die räumlichen und personellen Ressourcen unseres Museums dafür keinen Spielraum haben.

Eine kurzgefasste B&S-Geschichte, die auch auf die Vorläufer verweist, kann man hier und da nachlesen. Leider nicht mehr auf der Marken-Homepage von B & S, das war dort vor einigen Jahren besser.

Ob man große Erwartungen an den Aktenbestand haben darf, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht mache ich mich mal drüber, wenn ich Rentner bin. Oder es gibt zwischenzeitlich Forscher, die das im Rahmen eines Projektes machen können.

Bis dahin müssen wir uns mit dem auseinandersetzen, was auf anderen Wegen übermittelt ist. Deshalb freue ich mich über den von Ihnen übermittelten Marsch. Im Prinzip genügten die Töne b – es – g, die man hier am Anfang hört, die es aber auch schon als Signal im Ring des Nibelungen gibt. (Das Rheingold, Szene 4. „Heda! Heda! Hedo! Zu mir, du Geduft!“)

Dass dem Martinshorn die Ähnlichkeit mit der Kaiserfanfare untersagt wurde, halte ich für ein Gerücht, denn Erfindung, Propagierung und Normierung des Signals für „bevorzugte Wegebenutzer“ erfolgten alle erst in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Vielmehr soll zu Kaiserzeit ein viertöniges Hupen nur dem Monarchen gestattet gewesen sein, alle anderen Automobilisten mussten sich (zunächst) mit weniger Tönen zufrieden geben.

Soviel am heutigen Abend,

Ihr
E. Weller


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BeitragVerfasst: Mo 26. Feb 2018, 9:52 
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Registriert: Mi 24. Jan 2018, 22:27
Beiträge: 4
Lieber Herr Weller,
schade, daß das Museum nicht die Ressoucen hat, den übernommenen Bestand dieses VEB zu erschließen. Leider kann ich mit meiner Forschungsarbeit nicht darauf warten, bis Sie im Ruhestand sind. Ich muß dann halt mit dem vorlieb nehmen, was so hier und da gemutmaßt wird. Allerdings Quellenkritik bleibt vorbehalten. Zur Frage des kaiserlichen Signalhorns habe ich bisher nicht mehr gefunden als das, was ich mitgeteilt habe. Sollten Sie noch zuverlässige Quellen kennen, wäre ich für eine konkrete Quellenangabe dankbar. Noch ein Gedanke zum unerschlossenen Bestand: Warum bieten Sie ihn nicht dem Staatsarchiv Chemnitz an, das bereits Teilbestände dieses VEB besitzen dürfte?
Von Viertönigkeit des kaiserlichen Signalhorns habe ich noch nicht gehört. Sie selber halten die drei genannten Töne für ausreichend. Diese sind wohl auch nicht mit den Tönen des Martinhorns identisch. Wann wurde dies eigentlich entwickelt? Das "Geburtsdatum" für das kaiserliche Signal dürfte früher gewesen sein.
Beste Grüße
Stallmann


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