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Forum des Musikinstrumentenmuseums Markneukirchen
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BeitragVerfasst: Sa 07. Okt 2017, 18:07 
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achimhohlfeld hat geschrieben:
[offtopic]
Im Urlaub spielt S. M. Buchsbaumklarinetten aus Bamberg an der Regnitz, da hat sie nicht auch noch Zeit für schnitzkunstwerkstattliche Betätigungen an der Aisch.
[/offtopic]


diesen Beitrag halte ich jedoch für einen etwas missglückten Versuch von Humor.


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BeitragVerfasst: Mi 28. Mär 2018, 21:27 
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Die Firma Wurlitzer geht zurück in das 16. Jahrhundert. Die Lautenbauer-Generation Heinrich Wurlitzer (1596-1656) verh. mit Dorothea Jahn, sein Sohn Johan(nes) Wurlitzer (1628-1679, Schilbach) verh. mit Catharina Rudert und dessen drei Söhne Nicholas Wurlitzer (1659-1739), Martin Wurlitzer (1666-1747, Schilbach) und Michael Wurlitzer (1661-1727, Markneukirchen; verh. mit Dorothea Huttner) stellten in über drei Generationen Lauten her. Wenn man die Familiengeneration von Michael Wurlitzer weiterverfolgt (will ich jetzt nicht alles eintippen), erscheint der Name (Franz) Rudolph Wurlitzer (1831-1914), der in Schöneck, Plauen, Schweinfurt und Leipzig lernte und später nach Amerika migrierte und dort Jukeboxen herstellte https://en.wikipedia.org/wiki/Wurlitzer. Einer der drei Söhne Rudolphs widmete sich wieder dem Instrumentenbau in Amerika (Geigen).

Wenn man aber die (andere) Familiengeneration vom oben erwähnten Nicholas Wurlitzer (1659-1679, Schilbach) verfolgt, müsste der Wernitzgrüner Johann Friedrich Wurlitzer auftauchen (1801-1878). Johann hatte zwei Söhne; zum einen Friedrich Ferdinand Wurlitzer, aus dessen Linie die Clemens Wurlitzer (1883-1964) Klarinetten entstanden (gebaut vom Sohn Heinz Wurlitzer und später vom Enkel Gerd Wurlitzer) und zum anderen der Erlbacher (Heinrich) Eduard Wurlitzer (1835-1920), dessen Sohn Paul Oskar Wurlitzer (1868-1940) und Enkel Fritz Wurlitzer (1888-1984), der Vater von Herbert Wurlitzer (1921-1989) die Familientradition fortführten.

Herbert Wurlitzer brachte mit seiner Frau Ruth eine Tochter zur Welt. Diese heiratete später Frank-Ulrich (heute Wurlitzer), welcher 1960-1963 an der Würzburger Musikhochschule studierte, dann Klarinettist bei den Berliner Philharmonikern und später Professor für Klarinette in Würzburg wurde. Seine Schwester Gudrun ist mit Bernd Wurlitzer verheiratet.

Heute leiten Frank-Ulrich und sein Schwager Bernd die Klarinettenfirma.

Was ich nicht herausgefunden habe, ist die Verbindung zwischen Nicholas Wurlitzer (*1659) und Johann Friedrich Wurlitzer (1801). Im Logo der Firma Herbert Wurlitzer steht das Jahr 1659 - bezieht die Firma sich damit auf das Geburtsjahr von Nicholas, obwohl dieser meines Wissens nach keine Klarinetten, sondern Lauten herstellte...?


Außerdem Randinfo: Paul Oskar blieb anders als Fritz in der DDR und bekam zwei Söhne Arno Wurlitzer (1890-1961) und Paul Kurt Wurlitzer (1899-1977). Arnos Sohn Gerhard (*1922) und Paul Kurts Sohn Dieter (*1939) waren/sind auch in der Klarinettenbau-Familientradition tätig.

Bei Fragen und mehr Infos: adam-a@mail.de


Zuletzt geändert von klaridam am Mi 28. Mär 2018, 21:41, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Mi 28. Mär 2018, 21:36 
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Herzlichen Dank für diese ausführliche Darstellung.

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Gruß: Achim H.
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BeitragVerfasst: Mi 28. Mär 2018, 22:06 
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Guten Abend,

zu dem hier Notierten in aller Kürze einige Anmerkungen:

1. Worauf sich die Firma Herbert Wurlitzer mit der Jahreszahl 1659 bezieht, hat sich mir bisher nicht erschlossen, obwohl ich mich dazu schon befragt habe. Eine Verbindung zwischen Erlbach und Schöneck hin zu den vermeintlichen Lautenbauern (s. 2.) ist nicht erkennbar. Vielleicht handelt es sich um einen Schreibfehler: 1959 hat Herbert Wurlitzer seine Heimat verlassen und begann mit dem Aufbau seiner Firma im Westen?
2. Alles, was über die vogtländische Instrumenten-Geigen-Lautenmacher-Vorgeschichte der berühmten Rudolph Wurlitzer Company von ihr selbst oder auch von anderen gesagt oder geschrieben wurde, gehört ins Reich der Fabel.
3. Prof. Ulrich Wurlitzer ist der Sohn von Herbert Wurlitzer.
4. Paul Oskar Wurlitzer hatte drei Söhne. Fritz war der älteste und ging zeitig eigene Wege.

Für weitere Informationen empfehle ich meine Wurlitzer-Serie aus dem Rohrblatt (1995), die Kurzbiografie in G. Dullats Klarinettenbuch (2001) sowie die Einträge im MGG, dem Grove Dictionnary of Musical Instruments und dem hoffentlich noch in diesem Jahr erscheinenden Lexikon der Rohrblattinstrumente.

Viele Grüße
E. Weller


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BeitragVerfasst: Mi 28. Mär 2018, 22:09 
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Dr. Enrico Weller hat geschrieben:

[...]dem hoffentlich noch in diesem Jahr erscheinenden Lexikon der Rohrblattinstrumente.[...]

Dazu gab es im heute erschienenen 'rohrblatt einen Flyer mit der Ankündigung des Erscheinens. Subskriptionspreis = 98 Euro bis 30.9.'18

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BeitragVerfasst: Mi 28. Mär 2018, 22:20 
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Da wissen Sie mehr als ich - ich bin ja auch nur ein kleiner Co-Autor. Aber ich schau gleich mal nach.
Danke für den Hinweis.

E. Weller


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BeitragVerfasst: Mi 28. Mär 2018, 23:18 
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Mir ist in der letzten Randinfo tatsächlich ein Fehler unterlaufen - hier die Korrektur:

Fritz Wurlitzer (Vater von Herbert Wurlitzer) zog anders als seine Brüder Arno und Paul Kurt, die in der DDR blieben, nach Westdeutschland.

Außerdem habe ich Bern und Frank verwechselt - Korrektur:

Herbert Wurlitzer brachte mit Ruth die Tochter Gudrunn Wurlitzer (heute Architektin in Köln) und Frank-Ulrich Wurlitzer zur Welt.

Der Mann von Gudrunn ist Bernd (heute Wurlitzer) und leitet mit Frank-Urlich Wurlitzer die Werkstatt.

Die Firma Wurlitzer wirbt seit Jahren mit dem Jahr 1659 - ohne Bezug oder jegliche Verbindung zum Holzblasinstrumentenbau (wie gesagt, mein Verdacht ist der mögliche Vorfahre aus dem Lautenbau Nicholas Wurlitzer (geb. 1659), doch ich habe keine Verbindung zu Johann Friedrich Wurlitzer (*1801) und Nicholas gefunden:

"Since 1659 the Wurlitzer family has been engaged in musical instrument making."
"Herbert Wurlitzer ist die Kunstwerkstatt für Holzblasinstrumente seit 1659."
"Herbert Wurlitzer dates the roots of his firm back to the year 1659."


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BeitragVerfasst: Do 29. Mär 2018, 20:23 
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Guten Abend,

gestern habe ich hier die Lautenmacher-Vorgeschichte der aus Schöneck stammenden Familie und Firma Wurlitzer als Fabel bezeichnet. Dazu noch einige Erläuterungen.

In meinem Verständnis ist es ein schönes Märchen, wenn man dem verdienstvollen Franz Rudolph Wurlitzer in seiner vogtländischen Heimat noch eine stattliche Ahnenreihe an Instrumentenbauern voran-hängt. Wenn man andere Begriffe gebraucht: Das ist ein phantasievolles und ahistorisches „History Marketing“. Leider zieht sich das nun durch alle denkbaren Darstellungen, von der Firmenwerbung über die Wikipedia-Biografie bis hin zu dem 2014 gesendeten MDR-Beitrag „Gebraus und Gedröhn aus 1.200 Pfeifen: Rudolf Wurlitzer“. Aber werden Märchen durch häufiges Wiederholen wahr? Es genügt doch völlig, wenn die Stadt Schöneck auf einen prominenten Auswanderer stolz sein kann, der einfach auf dem Balkon des Vogtlands das Licht der Welt erblickte, das sich hier im 19. Jh. allmählich mit den Klängen des Instrumentenbaus mischte.

Ich kenne nur einen Autor, der die Behauptungen zu Nicolas Wurlitzer und den anderen frühen Geigenmachern der Familie an den Quellen präzise überprüft hat: Dr. Bernhard Zoebisch bei seinen biografischen Forschungen zum vogtländischen Geigenbau.* In seinem "Fahrwasser" habe ich mir die Quellen erneut angesehen, das Thema mit einer hier in der Region forschenden Genealogin erörtert und mir meine oben genannte Meinung gebildet. Allerdings ist unser Forum nicht der Ort einer ausführlichen Quellendiskussion, deshalb soll folgende Zusammenfassung genügen, die Teil einer für 2019 geplanten Publikation ist.

„Eine deutliche Geschichtsfälschung finden wir in der Biografie eines der prominentesten vogtländischen Amerika-Auswanderer. Gemeint ist der in Schöneck geborene Franz Rudolph Wurlitzer (1831-1914), dessen Firma in Cincinnati/Ohio vor allem mit ihren Orgeln und Jukeboxen zu einem Begriff wurde. Dass die vogtländischen Ahnen bereits ab dem Ende des 17. Jahrhunderts Lautenbauer und dann über mehrere Generationen Geigenmacher gewesen seien, wurde in der Werbung der Rudolph Wurlitzer Company gerne zum Ausdruck gebracht, entbehrt aber jeglicher Realität. In den Kirchenbüchern von Schöneck und Umgebung ist kein Geigenbauer des Namens Wurlitzer zu finden. In den Unterlagen der Schönecker Instrumentenmacher-Innung ist der Name zur Mitte des 19. Jh. nicht verzeichnet. Der Vater des berühmten Auswanderers war Webergeselle, später Webermeister und am Ende seines Lebens galt er als Handelsmann, offenbar weil er die vogtländischen Einkäufe für den Sohn besorgte.“

Soweit meine Sicht auf die Dinge. Falls jemand neue Quellen zum Thema erschlossen hat, dann freue ich mich über jeden Hinweis.

Herzliche Grüße
E. Weller

* Bernhard Zoebisch: Vogtländischer Geigenbau. Biographien und Erklärungen bis 1850, Markneukirchen/Horb am Neckar 2000, S. 31, 93f.


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BeitragVerfasst: So 21. Okt 2018, 12:26 
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Zitat:
Mir ist in der letzten Randinfo tatsächlich ein Fehler unterlaufen - hier die Korrektur:

Fritz Wurlitzer (Vater von Herbert Wurlitzer) zog anders als seine Brüder Arno und Paul Kurt, die in der DDR blieben, nach Westdeutschland.


Das ist ein weiterer Irrtum. Fritz Wurlitzer blieb in der DDR und starb hochbetagt 1984 in Erlbach.


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BeitragVerfasst: So 21. Okt 2018, 12:42 
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Wie passt das zu meiner (unbelegten) Information, er habe bis zuletzt in der Werkstatt seines Sohnes Herbert gearbeitet?

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BeitragVerfasst: So 21. Okt 2018, 13:05 
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Beiträge: 26
Lieber Achim, das ist auch ein Irrtum.

Mehr per PN, wenn Du Lust hast.


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BeitragVerfasst: So 21. Okt 2018, 13:09 
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Beiträge: 26
Lieber Achim,

das ist ein weiterer Irrtum - obwohl die Sache nicht ganz falsch ist.

Er hat quasi bis zu seinem Tod für seinen Sohn mitgearbeitet - aber eben in Erlbach.

Mehr gerne per PN.


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BeitragVerfasst: So 21. Okt 2018, 13:12 
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Danke für die Richtigstellung.

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