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Forum des Musikinstrumentenmuseums Markneukirchen
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BeitragVerfasst: Mo 05. Aug 2013, 15:46 
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Registriert: Mo 15. Mär 2010, 19:27
Beiträge: 80
Diese Klarinette habe ich neulich ersteigert. Der Name war mir wegen der Vierteltonklarinette aus dem Museum bekannt („Die ... Kompositionsweise mit Vierteltonintervallen regte Fritz Schüller (1883-1977) an, eine Vierteltondoppelklarinette (lnr. 1410) zu konstruieren...“).

Im New Langwill Index heißt es „Schüller (2) Fritz Hermann ...son of [Fritz 1], trained under father, O.Adler, O.Mönnig; 1905 established; 1937 advertised as maker of oboe, clarinet... 1932 quarter-tone clarinet”.

E. Weller (S.191) teilt mit: “Friedrich August Schüller als einziger Lehrling des Sohnes von J.W.R. Glier und dessen Sohn [also wohl Fritz Hermann Sch.]“. Dullat erwähnt Sch. nur in Zusammenhang mit der Vierteltonklarinette.

Außer dieser Vierteltonklarinette konnte ich von Fritz Schüller über MIMO nur zwei Instrumente ausfindig machen: eine B- Klarinette im Museum für Musikinstrumente der Uni Leipzig, Inventarnummer 4661, angeblich um 1930, was ich allerdings anhand der Abbildung nicht glauben mag: das ist ein recht altes, einfaches Instrument mit 4 Ringen im Stil des 19. Jahrhunderts; ich vermute eher, daß es von Fritz (1) stammt. Zweitens eine Oboe in der Sammlung der Universität Edinburgh, auf 1970 datiert.

„Meine“ Fritz Schüller- A- Klarinette ist ein Oehler- Modell mit Becherklappe ohne f- Verbesserung. Sie ist ziemlich unscharf mit „Fritz Schüller Markneukirchen “ in einem gestrichelten ovalen Ring gemarkt. Auffällig ist eine Komplikation um die Duodezimverbindung bzw. L1: hier gibt es einen doppelten Ring und eine zusätzliche Resonanzklappe (Foto 1 und 2). Kann mir das jemand erklären?

Anspruchsvoll ist außerdem die wohl originale metallische Steckverbindung zwischen Ober- und Unterstück. Im übrigen ist die Qualität eher mäßig: Stängel und Tasten gegossen (mit einigen Lunkern). Die meisten Säulchen in schlechtem Zustand: anscheinend ist da (anders als bei den Klappen) die Versilberung abgegangen, und jemand hat versucht, das auszupolieren, so daß die runden Köpfe jetzt meistens sehr deformiert sind (Foto 4).

Meine weitere Frage: Kann mir jemand helfen, das Instrument genauer einzuordnen, vor allem auch zu datieren? Ist etwas über die weitere Geschichte des Herstellers bekannt?

Und eine technische Frage: Ich würde diese ruinierten Säulchen gern ersetzen lassen und frage mich, ob sich der Aufwand lohnen würde. Der Wert wird noch durch einen Haarriß im Trichter gemindert und ein Sammlerwert dadurch, daß die Birne nicht original ist- zwar auch mit Fritz Schüller gemarkt, aber „B“.

Gruß Michael Woernle


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BeitragVerfasst: Di 06. Aug 2013, 9:30 
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Hallo Pylades,
ohne es genau zu wissen, erinnert mich das sehr an die Uebelsche Erfindung des Gabel-f '. Haben Sie das mal getestet?


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BeitragVerfasst: Di 06. Aug 2013, 16:12 
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Registriert: Mo 15. Mär 2010, 19:27
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Volltreffer! Das ist genau die Gabel- f1- Mechanik wie bei der F.A.Uebel- Klarinette (um 1955), die bei Reil/ Weller S. 142 f. beschrieben und abgebildet ist. Ich muß bekennen, daß ich trotz einigen Interesses nach wie vor keinen Überblick über die tausend Details habe, die in diesem Werk beschrieben sind.

Meine beiden Uebels, von ca. 1938 bzw. 1960, haben diese besondere Mechanik übrigens nicht.

Ich trage bei der Gelegenheit nach, daß die Schüller- Klarinette an Ober- und Unterstück die Seriennummer 8799 trägt.

Gruß Michael


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BeitragVerfasst: Mi 07. Aug 2013, 9:57 
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Registriert: Fr 28. Jan 2011, 14:50
Beiträge: 20
Habe ich mich also nicht geirrt :smile:
Mit der Datierung ist das, da ich keine Ahnung von Seriennummern bei Schüller habe, so eine Sache.
Ich weiß nur, daß das Patent für das Gabel f ' aus dem Frühjahr/Sommer 1940 stammt. Stellt sich also die Frage, ob diese Mechanik original von Schüller eingebaut (wann läuft so ein Patent ab?) oder von Uebel nachgerüstet ist. Das Fehlen der tief f-Verbesserung würde ja für ein frühes Modell, also vor der Uebelschen Erfindung derselben (genaues Datum kenne ich nicht, glaube aber Ende der 40er/Anfang der 50er ???) sprechen.
Wenn Dr. Weller aus dem Urlaub zurück ist, kann er bestimmt besser helfen!


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BeitragVerfasst: So 11. Aug 2013, 21:14 
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Mitglied des Museumsvereins

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Beiträge: 451
Wohnort: Markneukirchen
Lieber Herr Woernle,

ich bin wieder aus dem Urlaub zurück und wühle mich durch einige Dutzend E-Mails, eine davon hat mit gleich wieder ins Forum gerufen. In der Anfangsphase unseres Forum gab es einst eine kurze Zusammenfassung meiner Daten zu Fritz Schüller, der ich nichts Wesentliches hinzuzufügen haben. Hier der Link: viewtopic.php?f=13&t=68&hilit=Sch%C3%BCller+Fritz.

In meinem Buch spielte er keine Rolle, denn die Werkstatt wurde erst 1905 gegründet. Der auf S. 191 aufgeführte Friedrich August Schüller ist ein Metallblasinstrumentenbauer, der bei Carl Christian Glier gelernt hat, dessen Vater wiederum der berühmte Rudolf Glier war, der die erste Mundharmonika nach Klingenthal brachte.

Interessant ist immerhin, dass Schüller sich des Uebel’schen DRGM 1 489 101 (Gabel-f’ von 1940) bedient hat. Nach Ablauf der dreijährigen Schutzfrist, die Uebel maximal hätte um drei Jahre verlängern durfte, konnte das jeder nachbauen. (Bedingt durch den Krieg hatte man da aber bestimmt andere Sorgen!)

Resonanzklappen für das tiefe E gab es bei Schüller schon in den 1930er Jahren, in seiner Preisliste Nr. 21 ist das erwähnt. Die Ergänzung zur Tief-F-Verbesserung muss er nicht sofort aufgegriffen haben, somit wäre das Jahr 1955 kein Bezugspunkt.

Eigentlich müsste die Klarinette eine Seriennummer haben, mit der wir aber auch nicht viel anfangen können.

Viele Grüße
E. Weller


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BeitragVerfasst: So 11. Aug 2013, 23:39 
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Registriert: Mo 15. Mär 2010, 19:27
Beiträge: 80
So komme ich der Fritz Schüller- Klarinette doch allmählich auf die Spur. Den alten Thread hatte ich über die Suchfunktion nicht gefunden, vermutlich weil mein System bis vor kurzem, d.h. etwa Ende Januar dieses Jahres, die Umlaut- Codierung des Forums nicht richtig entziffern konnte (ich habe mich damit nicht näher befaßt, bin aber froh, daß sich das jetzt geändert hat und die Beiträge für mich seitdem ohne das Rätselraten über Ausdrücke wie „für worte, sätze, gedanken werden tÃne“ lesbar sind; das nur nebenbei).

Aus den Beiträgen von Enrico Weller 2006 und „Beroge“ 2008 entnehme ich, daß Fritz Schüller bis ca. 1968 tätig war, und daß die Seriennummern bis gegen 9000 liefen. Die Klarinetten von Beroge mit den Nummern 8976/8977 vom Februar 1965 lassen nun wenigstens eine ungefähre Datierung meiner A-Klarinette mit der Seriennummer 8799 zu, wobei wohl die „langsame Aufgabe“ der Herstellung in diesen Jahren zu berücksichtigen ist- Sch. baute da wohl schon lange nicht mehr die von Weller erwähnten „mehr als 100 Instrumente pro Jahr“.

Was mich als Laien verblüfft hat: Ich habe, wie oben erwähnt,in den Quellen, die mir zugänglich sind, konkret nur im MIMO zwei Instrumente von „Fritz Schüller“ gefunden. Wo sind die „mehr als hundert“ geblieben, die Sch. in guten Zeiten pro Jahr herstellte, und wo all die „Schüllerklarinetten, die die Mehrheit der Klarinettenstudenten“ laut Beroge wegen ihrer Qualität spielten? Gibt es denn z.B.in MNK außer der Vierteltonklarinette noch eine? (hierzu darf ich gleich noch die bescheidene Hoffnung äußern, daß man so etwas irgendwann auch im MIMO nachschauen kann).

Es wäre schön, wenn „Hans aus Holland“ seine Schüller- Preisliste, die er in dem alten Thread erwähnt, und die dort nicht mehr zugänglich ist, noch einmal ins Forum hochladen könnte.

Viele Grüße Michael Woernle


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BeitragVerfasst: Mo 12. Aug 2013, 8:16 
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Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 13:58
Beiträge: 1247
Wohnort: Markneukirchen
Lieber Herr Woernle,

das Umlaut-Problem habe ich mal global angesprochen, vielleicht kann uns jemand weiterhelfen.

Was MIMO betrifft, muss ich Sie enttäuschen, aber das werden wir nicht schaffen. Das Problem liegt schlicht gesagt an unseren niedrigen Löhnen, denn diese müssen als Eigenmittel dienen, um die Fördermittel abrufen zu können, die man braucht, um sich daran zu beteiligen. Wir hatten schon den Antrag gestellt, aber als ich merkte, wie das Projekt läuft, habe ich ihn zurückgezogen und bin sehr froh darüber. Nicht auszudenken, wenn wir auf den Kosten sitzen geblieben wären.
Auf der Prioritätenliste unserer Vorhaben steht MIMO also vorläufig weit hinten, aber aufgeschoben, ist nicht aufgehoben. Jetzt brauchen wir aber erstmal dringend Platz, um unsere Instrumente gut unterzubringen und hoffen auf Fördermittel von Ziel 3, die noch immer auf sich warten lassen ....

Viele Grüße
Heidrun Eichler


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BeitragVerfasst: Mo 12. Aug 2013, 17:58 
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Registriert: Di 02. Okt 2007, 11:17
Beiträge: 1378
Wohnort: 69xxx bei heidelberg
schüller ist es denke ich wert näher beleuchtet zu werden.

freue mich über jeden nachricht.

bei mir schlummert eine oboe und eine klari in der nachbarschaft.


ich hoffe dass „Hans aus Holland“ sich dazu äußert.


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BeitragVerfasst: So 06. Mai 2018, 10:11 
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Registriert: Mo 02. Feb 2015, 17:07
Beiträge: 244
Hallo,
auch ich interessiere mich für Fritz Schüller - insbesondere für die Baujahre zur Erstellung einer sehr groben Seriennummernliste.

Bisherige mir bekannte Stützstellen sind:

SN 7931 aus 1949 (Info Intune)
SN 8976 / 8977 vom 8. FEB 1965 (Info Beroge)

Dann die Aussage von Enrico Weller, dass in den 50er Jahren mehr als 50 Instrumente pro Jahr gebaut worden sind.
Sicherlich sind in den letzten Jahren bis 1965 weniger bis viel weniger gebaut worden.

Gibt es noch weitere bekannte Stützstellen bzw. fundierte Datierungen von Schüller-Instrumenten? Was ist die erste bekannte Seriennummer von Schüller?

Vielen Dank für die Unterstützung und schöne Grüße,
Tobi.


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BeitragVerfasst: So 06. Mai 2018, 17:03 
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Registriert: Di 02. Okt 2007, 11:17
Beiträge: 1378
Wohnort: 69xxx bei heidelberg
SN 7931 aus 1949 (Info Intune)
SN 8976 / 8977 vom 8. FEB 1965 (Info Beroge)

habs mir nochmals angeschaut und neige zu 7831 Oboe Schüller Vollautomatik gestempelt:

BIn. V.P.
6

V.P. versuche ich mal zu übersetzen mit Volkspolizei!
das sechste??? Instrument im Verzeichnis? (Inventar?)

BIn. = ? müsste/dürfte die EInheit sein. -oder vielleicht Berlin?



das biete ich auch noch:

6284 = Bb Klari
7002 = Bb KLari Reform Boehm
7639 = Piccolo, vermutlich von Kurt Jacob
8542 = Bb Klari
8799 = A Klari
8965 = Oboe
8918 = Bb Klari
8976/77 Satz Klari Bb A, gekauft 8.2.65 !!!!
Altsax = keine Nummer bekannt, gestempelt POL/7/66
darunter L 85 ( Zahl schlecht lesbar) Bilder vorhanden.
vermutlich von Köhler gebaut.


gruss


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BeitragVerfasst: So 06. Mai 2018, 18:21 
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Registriert: Di 02. Okt 2007, 11:17
Beiträge: 1378
Wohnort: 69xxx bei heidelberg
nachsatz

https://de.wikipedia.org/wiki/Orchester ... lkspolizei

https://books.google.de/books?id=B9-cCw ... ei&f=false


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BeitragVerfasst: So 06. Mai 2018, 18:48 
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Registriert: Mo 02. Feb 2015, 17:07
Beiträge: 244
Weiß vielleicht jemand, wie wir an die Seriennummer vom Instrument:

"
B- Klarinette im Museum für Musikinstrumente der Uni Leipzig, Inventarnummer 4661, angeblich um 1930
"

kommen? Der Hinweis kam von Pylades.

Zu den Schüller Saxophonen:
Ein mit Fritz Schüller Markneukirchen graviertes Alto ist unter der Inventarnummer 5685 im Musikinstrumentenmuseum Markneukirchen katalogisiert. Es wurde in der Ausstellung "Faszination Saxophon" ausgestellt und ist im Katalog zur Ausstellung auf Seite 222 abgebildet. Dabei handelt es sich eindeutig um ein von Franz Köhler hergestelltes Instrument. Seriennummer 553. Bis 1937 hat Franz Köhler wohl für Fritz Schüller Saxophone gebaut. Aber dies nur als Exkurs, hier geht es um die Klarinetten etc.

Grüße, Tobi.


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BeitragVerfasst: So 06. Mai 2018, 19:07 
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Registriert: Di 02. Okt 2007, 11:17
Beiträge: 1378
Wohnort: 69xxx bei heidelberg
anrufen.


das schüller sax von seite 222 ist gravurtechnisch nicht identisch mit dem in meinem archiv.


...hier geht es um die Klarinetten etc.... plus oboen, ich denke da an ein werkstattbild von ihm...schon im hinblick auf den seriennummernverlauf, der mir wesentlich ZU HOCH vorkommt.


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