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 Betreff des Beitrags: Identifizierung Weltklang-Tuba
BeitragVerfasst: Mo 31. Dez 2018, 16:34 
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Registriert: Mo 31. Dez 2018, 15:47
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Guten Tag Zusammen,
ich bin Besitzer einer Tuba, die ich kürzlich bei einem Instrumentenbauer entdeckt und aufgrund ihres guten Klanges auch erworben habe. Laut Verkäufer handelt es sich bei dem Instrument um eine Tuba, die unter dem Label Weltklang hergestellt worden sein soll. Leider befinden sich auf der Tuba keinerlei Wappen, Herstellerlogo oder eine Typenbezeichnung. Lediglich auf und in allen drei Ventilen befindet sich die Ziffer "2". Vergleiche ich die Gesamtform, die Stege, den Kamm, die Ösen und den Haltering mit Weltklang-Tuben komme auch ich zu dem Schluss, dass ich wahrscheinlich ein Weltklang-Instrument besitze.
Nun bin ich natürlich sehr daran interessiert zu erfahren um welches Instrument es sich tatsächlich handelt (Hersteller, Typ, Baujahr) und warum keinerlei Herstellerbezeichnungen aufgebracht worden sind. Habe ich eventuell eine Art Prototyp gekauft oder hat einer der Instrumentenbauer sich damals so nebenbei ein Instrument für welche Zwecke auch immer gebaut?
Die Farbwiedergabe der angehängten Bilder lässt leider zu wünschen übrig. Ich hoffe, dass der fachkundige Betrachter trotzdem seine Schlüsse ziehen kann.


Dateianhänge:
Kamm.jpg
Kamm.jpg [ 78.92 KiB | 552-mal betrachtet ]
Dateikommentar: Insgesamt ist das Instrument 110cm hoch
Gesamt.jpg
Gesamt.jpg [ 76.26 KiB | 554-mal betrachtet ]
Rückseite.jpg
Rückseite.jpg [ 77.2 KiB | 554-mal betrachtet ]


Zuletzt geändert von Sesam am Mo 31. Dez 2018, 16:41, insgesamt 1-mal geändert.
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 Betreff des Beitrags: Re: Identifizierung Weltklang-Tuba
BeitragVerfasst: Mo 31. Dez 2018, 16:37 
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Registriert: Mo 31. Dez 2018, 15:47
Beiträge: 6
Der Vollständigkeit halber hänge ich drei weitere Bilder an:


Dateianhänge:
Ventile.jpg
Ventile.jpg [ 78.93 KiB | 553-mal betrachtet ]
Dateikommentar: Auf und in allen drei Ventilen ist diese Zahl eingeschlagen
Ventil Nr3.jpg
Ventil Nr3.jpg [ 76.99 KiB | 553-mal betrachtet ]
Dateikommentar: Der Trichter hat einen Durchmesser von 42cm und einen Kranz aus (vermutlich) Neusilber.
Kranz Neusilber.jpg
Kranz Neusilber.jpg [ 76.49 KiB | 553-mal betrachtet ]
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 Betreff des Beitrags: Re: Identifizierung Weltklang-Tuba
BeitragVerfasst: Fr 04. Jan 2019, 23:55 
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Metallblasinstrumentenbaumeister

Registriert: So 08. Apr 2007, 16:25
Beiträge: 1083
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Sesam,

Ihre Tuba könnte durchaus eine Weltklang-Tuba sein. Die von Ihnen beschriebenen Details - welche sich auf den Fotos leider nicht so gut erkennen lassen (liegt am mittlerweile überalterten System unseres Forums) - stimmen faktisch mit denen der mir bekannten Tuben der Marke Weltklang überein. Die einstige Bezeichnung für die dreiventilige B-Tuba war Modell Nr. 102. Dieses Modell wurde mit einem 42 cm großem Schallstück geliefert, bitte messen Sie doch das Ihrige einmal nach.

Warum sich keine Herstellergravur in Ihrem Instrument befindet, kann mehrere Gründe haben. Da ist der Raum weit offen für Spekulationen, meist findet sich aber eine ganz einfache Erklärung wie der Ausstausch des Schallstückes bei einer Reparatur.

Normalerweise müssten Sie auch in der Mundrohroberzwinge eine Seriennummer finden, ohne wurden bei B & S keine (Serien-) Instrumente ausgeliefert.


Mit freundlichen Grüßen

Mario Weller


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 Betreff des Beitrags: Re: Identifizierung Weltklang-Tuba
BeitragVerfasst: So 06. Jan 2019, 15:34 
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Registriert: Mo 31. Dez 2018, 15:47
Beiträge: 6
Hallo Herr Weller,
vielen Dank für ihre Antwort.
In der Tat hat das Schallstück einen Durchmesser von 42cm, was ja wieder ein Indiz für die These "Weltklang-Tuba" wäre. Die Gesamthöhe inklusive Kamm beträgt 110cm.

An der Mundrohroberzwinge habe ich lediglich eine Art Handwerkerzeichen entdecken können. Im beigefügten Foto sieht es eher aus wie ein zufälliger Kratzer. Im Original scheint es sich aber eher um eine Gravur zu handeln. Das Mundrohr selbst hat übrigens einen Innendurchmesser von 16mm was das Austesten eines passenden Mundstücks nicht gerade vereinfacht hat.

An einen Austausch des Schallbechers mag ich nicht wirklich glauben. Frisch poliert hat der Becher die selbe Farbschattierung wie der Rest des Instrumentes.


Dateianhänge:
IMG_20190106_152059.jpg
IMG_20190106_152059.jpg [ 74.59 KiB | 489-mal betrachtet ]
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 Betreff des Beitrags: Re: Identifizierung Weltklang-Tuba
BeitragVerfasst: So 06. Jan 2019, 20:55 
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Metallblasinstrumentenbaumeister

Registriert: So 08. Apr 2007, 16:25
Beiträge: 1083
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Sesam,

mir geht es so, dass ich auf dem Foto außer Kratzer nichts erkennen kann. Aber durchaus, bei B & S hatte (fast) jeder Instrumentenmacher sein eigenes "Zeichen". Und diese Zeichen wurden vornehmlich deshalb eingeschlagen, um bei interenen und auch späteren Reklamationen an den betreffenden Mitarbeiter heran treten zu können.

Auch ein ausgetauschtes Schallstück sollte die gleiche Legierung haben wie der Originale, darauf wird bei einer Reparatur schon geachtet und gab es da im in Frage kommenden Zeitraum der Herstellung Ihrer Tuba schon (farblich) konstante Lieferungen der Halbzeugwerke.

So viel für heute, wir müssen wohl noch etwas auf den entscheidenden Hinweis oder Gedanken warten.


Mit freundlichen Grüßen

Mario Weller


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 Betreff des Beitrags: Re: Identifizierung Weltklang-Tuba
BeitragVerfasst: Fr 11. Jan 2019, 18:30 
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Registriert: Mo 31. Dez 2018, 15:47
Beiträge: 6
Hallo Herr Weller,
der Instrumentenbauer, der mir die Tuba verkauft hat teilte mir auf Nachfragen jetzt mit, dass die Firma (Wilhelm ?) Monke aus Köln wohl eine Zeitlang Instrumente aus der DDR bezogen hat. Diese Instrumente seien ohne Herstellergravuren geliefert worden. Die Firma Monke hätte die Instrumente anschließend mit dem eigenen Logo versehen und unters Volks gebracht.
Könnte an dieser Geschichte etwas dran sein? Die Bücher müssten doch eigentlich dazu was hergeben. Ich würde es spannend finden, wenn die DDR sich durch den Verkauf von Musikinstrumenten im Westen anonym Devisen beschafft hätte.
Da ich das Instrument in der Nähe von Köln erworben habe ist zumindestens ein lokaler Bezug gegeben. Eventuell habe ich ja tatsächlich einen ehemaligen Ost-West-Export erbeutet, der aus welchen Gründen auch immer einer Gravur entgangen ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: Identifizierung Weltklang-Tuba
BeitragVerfasst: So 13. Jan 2019, 14:33 
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Metallblasinstrumentenbaumeister

Registriert: So 08. Apr 2007, 16:25
Beiträge: 1083
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Sesam,

diese Gedanken sind überaus möglich und würde das das Fehlen der "Weltklang"-Gravur auf dem / einem Original-Schallstück erklären. Es wurden sogar sehr viele (Metallblas-) Instrumente des VEB B & S aus der damaligen DDR gegen Devisen in die BRD verkauft, dafür gibt es einige - wenn auch nicht wirklich viele - belegte Beispiele. Leider nicht genug, die "Dunkelziffer" dürfte viel höher sein. Das liegt zum Einen daran, dass nicht jeder Händler oder Musikhaus seiner Kundschaft erzählen wollte, woher er die Instrumente bezog (solche Beispiele gibt es in der Gegenwart ja immer noch). Zum Anderen sind nur wenige damalige Kunden in der BRD belegt, weil gerade ganz bewusst in den B & S - Büchern nicht eingetragen wurde / nicht eingetragen werden durfte, wer die Lieferung erhielt. Meist steht dort lapidar: "Export". Daher bin ich mir sicher, auch zu Ihrer Tuba - zumal ja auch keine Seriennummer zu finden ist - keine Nachweise finden zu können.
Der Verdacht, dass Monke Instrumente vom damaligen VEB B & S bezogen haben könnte, liegt bei mir schon länger vor. Denn Perinettrompeten mit dem Markenzeichen "Luxor" sowie "Wilhelm Monke" sind zum einen der Firma Kühnl & Hoyer zuzuordnen, andere wiederum zeigen Details aus der Weltklang- / B & S-Produktion.

Ihre Anfrage hat auch für mich erweiternden Charakter, Wirtschaftsbeziehungen der beiden deutschen Staaten von einst näher zu beleuchten. Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen

Mario Weller


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 Betreff des Beitrags: Re: Identifizierung Weltklang-Tuba
BeitragVerfasst: So 13. Jan 2019, 18:08 
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Registriert: Mo 31. Dez 2018, 15:47
Beiträge: 6
Guten Tag Herr Weller,
das sind ja interessante Neuigkeiten. Wenn ich von meiner Seite aus etwas dazu beitragen kann dieses Thema etwas zu erhellen lassen Sie es mich bitte wissen. Immerhin habe ich ja scheinbar einen solchen potentiellen Fall von Ost-West-Kuddelmuddel in meinem Musikzimmer stehen.
Da mir das Handwerkerzeichen an der Mundzwinge beim letzten Versuch nicht so wirklich gelungen ist hänge ich ein neues Bild an. Nach einer erneuten Behandlung mit Unipol tritt es jetzt deutlicher zu Tage und ist in meinen Augen definitiv kein beiläufig entstandener Kratzer sondern eher ein nach links gerichteter Pfeil.


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zwinge.jpg
zwinge.jpg [ 72.44 KiB | 364-mal betrachtet ]
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 Betreff des Beitrags: Re: Identifizierung Weltklang-Tuba
BeitragVerfasst: Mo 14. Jan 2019, 21:06 
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Metallblasinstrumentenbaumeister

Registriert: So 08. Apr 2007, 16:25
Beiträge: 1083
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Sesam,

Ihre Anfrage und Ihre Tuba sind durchaus ein Puzzleteil in der innerdeutschen Instrumentengeschichte. Daher freut mich auch Ihre Teilnahme und eigene Recherche dazu. Bezüglich des "Zeichens" muss ich Ihnen aber erneut widersprechen. Was dort im geraden Teil der Mundrohr-(Schmiede)stütze zu sehen ist, ist wirklich - und nun auf Ihrem neuesten Foto sieht man es besser - kein absichtlich eingebrachtes Signum eines Handwerkers. Vielmehr ist es ein Materialfehler, wie er einst allerding nur bei Gussteilen vorkam. D.h. beim Gießen treten ungewollt Luft- oder auch Schmutzeinschlüsse auf, welche erst bei der späteren Bearbeitung zu Tage kommen. Und genau so sieht das dann aus.

Auch das passt in die immer stärker werdende Vermutung, dass Ihre Tuba eine 102er Weltklang ist, denn bis etwa in die 1970er Jahre hinein wurden diese Mundrohrstützen in der werkseigenen Gießerei gegossen.


Mit freundlichen Grüßen

Mario Weller


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 Betreff des Beitrags: Re: Identifizierung Weltklang-Tuba
BeitragVerfasst: Di 15. Jan 2019, 19:43 
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Registriert: Mo 31. Dez 2018, 15:47
Beiträge: 6
Hallo Herr Welter,
vielen Dank für ihre informative Art und Weise die Dinge darzulegen.

Am Rande bemerkt bin ich der (liebevoll/verrückten) Meinung, dass ein Instrument, mit dem man viele nette Stunden verbringt, es verdient, einen eigenen Namen zu tragen. Bisher hatte ich meine Tuba daher immer als "die Theresa" bezeichnet was im täglichen Umgang hin und wieder für irritierte Gesichter gesorgt hat. Vielleicht sollte ich mir Gedanken über eine Umbenennung machen; "der Spion" wäre vielleicht passend :-)

Spaß beiseite. Was kann ich tun, damit Sie in der Lage sind, das Instrument sach- und fachgerecht als anonymisierten Weltklang-Bau zu identifizieren und zu dokumentieren? Falls sie zum Beispiel qualitativ gute Detailaufnahmen haben wollten wäre das von meiner Seite aus kein Problem. Über die Art der Datenübersendung können wir uns sicher einigen.
Mir würde es zusagen ein wenig mehr über die Geschichte meines Instrumentes erfahren zu haben und Ihnen hilft vielleicht ein weiterer dokumentierter Fall als belegendes Beispiel für die Existenz des Ost-West-Handels.


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