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 Betreff des Beitrags: Meister Hans Hoyer GDR (DDR) Hörner
BeitragVerfasst: Sa 13. Jan 2018, 17:13 
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Registriert: Sa 13. Jan 2018, 16:48
Beiträge: 2
Hallo liebe Moderatoren und Hallo allseits !
In jüngster Zeit tauchen im web bei einschlägigen Marktplätzen vermehrt Meister Hans Hoyer Waldhörner aus der DDR Zeit auf. Ich konnte ein kompensiertes 5 ventiliges B(quart F) Horn mit A Stopfventil (heute dem 706er entsprechend) entdecken, das mich interessiert. Daneben eine kleine Anzahl mit vorläufig nicht identifizierbarer
Technik (da entsprechende Angaben fehlen...Verkäufer offenbar unkundig)
Diese nennen sich zB
DR 17-422 (Seriennummer 216690M) wobei ich glaube, das es sich ebenfalls um kompensiertes F/B handelt, oder auch um ein B hoch F, da sie gleichfalls 5 ventilig (3+Umschalt+Stopfventil) sind. Da ich gerne in Ergänzung zu meinen Doppelhorn moderner Bauart mir auch ein altes MHH kompensiertes B/F Horn zulegen möchte, wäre meine Frage an Euch, ob ihr mir über diesen Horntyp etwas sagen könnt. Technik, Auslieferungsjahr etc
Hinsichtlich des Auslieferungsjahres eventuell auch über das alt 706 GAL v. MHH aus DDR mit der Seriennummer 183694M.

Ich danke euch und verbleibe mit Grüßen aus Wien


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BeitragVerfasst: Fr 19. Jan 2018, 21:38 
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Metallblasinstrumentenbaumeister

Registriert: So 08. Apr 2007, 16:25
Beiträge: 1167
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Tomtromba,

ein sehr umfangreicher Beitrag, welchen Sie uns hier mitteilten. Ich hoffe aus den vielen Fragen das Wichtigste herauslesen zu können. Da fange ich am besten mit Ihrem 706er Horn (183694) an, welches Mitte 1982 angefertigt wurde.

Die "einschlägigen Marktplätze" zu besuchen habe ich keine Zeit, die angebliche Modell-Nummer DR 17-422 hat absolut nichts mit Hans Hoyer zu tun. Die angegebene Seriennummer ist sechstellig angegeben, dahinter das "M" für Medium. Diese Nummer wiederum ist schon eine von Hans Hoyer. Was Ihnen dort angeboten wird kann ich somit nicht beurteilen.

Wenn ich Sie richtig interpretiere, so beabsichtigen Sie ein kompensiertes B/F-Doppelhorn von Hans Hoyer zu erwerben. Dieses gab es in 4-ventiliger Ausführung (Modell 805) und als 5-ventiliges Horn (Modell 807). Die ersten unter der Marke Hans Hoyer gefertigten 805er Hörner wurden in den 1960er Jahren gebaut. Ab den 80er Jahren ging die Beliebtheit der kompensierenden Modelle jedoch stark zurück, die letzten Hoyer-Hörner dieser Bauart sind um 1992 angefertigt worden.


Mit freundlichen Grüßen nach Wien

Mario Weller


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BeitragVerfasst: Mi 14. Feb 2018, 16:54 
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Registriert: Sa 13. Jan 2018, 16:48
Beiträge: 2
Sg.Herr Weller !
Danke für die Information betreffend 706 GAL Kompensationshorn v. Meister Hans Hoyer Horn (made in GDR) !
Ich hab dieses Hoyer B(+F) Horn , 5 ventilig, von Privat aus Deutschland nun erworben und es ist im Vergleich zu meinem Holton- Doppel jüngerer Bauart wunderbar leicht zu spielen . Schöner symphonischer Klang und technisch trotz des Alters einwandfrei. Jüngst bei Proben zu Strauß` Walzer eingesetzt und sehr zufrieden damit.
Die andere Sache untermauert wieder, dass bei Internet - Angeboten von deutschen "Marken" Instrumenten (es war aus Polen) generell Vorsicht geboten ist.

Nochmals vielen lieben Dank und ebensolche Grüße
Thomas Rigler


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BeitragVerfasst: Sa 07. Dez 2019, 21:56 
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Registriert: Sa 07. Dez 2019, 21:51
Beiträge: 1
Sehr geehrter Herr Weller,

aufmerksam las ich Ihre Ausführungen zum Thema der DDR / GDR Hoyer - Hörner.

Ich habe 2 Fragen dazu:

Besteht der Unterschied zwischen Hoyer 807 und 808 nur in der Mechanik (Gelenk bzw. Schnurmechanik) ?

Frau Petra Stark von der B&S gab mir einmal die Auskunft:

"Es gibt KEINE kompensierten Waldhörner bzw. Doppelhörner, sondern lediglich
kombinierte
Wald- bzw. Doppelhörner"

Bis zu Ihren Berichten ging ich davon aus, dass diese Auskunft richtig war. Stimmt das ?

Vielen Dank im voraus für Ihre Antwort !!!


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BeitragVerfasst: So 08. Dez 2019, 22:52 
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Metallblasinstrumentenbaumeister

Registriert: So 08. Apr 2007, 16:25
Beiträge: 1167
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Hornisse,

richtig, der Unterschied zwischen den Modellen 807 und 808 bestand nur in der Ausführung der kraft- bzw. bewegungsübertragenden Mechanik. Die einst üblichen Kugelgelenke (vormals Kreuzlager-Gelenke) waren in den 807ern und die Schnurenmechanik in den 808er Hörnern eingebaut.

Die Auskunft meiner geschätzten Kollegin war schon richtig, bedarf aber aus heutiger Sicht (m)einer Interpretation. Ein "kombiniertes" Doppelhorn ist das Gleiche wie ein "kompensiertes" Doppelhorn. Der Begriff "kompensiertes" Doppelhorn war in der DDR nicht gebräuchlich, man sprach vom sog. "kombinierten" Doppelhorn. Dieser Begriff wurde nach meinen Erkenntnissen schon in den 1920er Jahren durch Andreas Crönlein verwendet (seinerzeit Meister bei Gebrüder Alexander) und Mitte der 1930er Jahre durch ihn ins Vogtland mitgebracht. Einst eingeführt wurde in der Nachkriegszeit der Begriff des "kombinierten" Doppelhorns in den nun abgetrennten Teil Deutschlands von den Hornbauern Hoyer, Kruspe, Mönnig und Knopf weiter verwendet und hält sich im vogtländischen Sprachgebrauch immer noch.
Von daher ist die getroffene Aussage, es gibt / gab (bei Hans Hoyer) keine "kompensierenden" Wald- und Doppelhörner schon korrekt, denn die Bezeichnung war stets eine andere. Die (alten) vogtländischen Meister interpretierten mit dem Begriff "kombiniert" die Verschmelzung der beiden Stimmungen und eine KOMBINATION beider. Sicher ist das "separate" Doppelhorn auch eine Kombination dieser beiden Stimmungen, wird nicht zu Unrecht auch als "vollausgebautes" Doppelhorn bezeichnet.

Die Begründung für den Begriff des "Kompensations-Doppelhorns" aber liegt darin, dass man zusätzlich zu der Grundstimmung B die "F-Verlängerungszüge" hinzuschaltet.

Betrachtet man das Wort Kompensation, dessen Ursprung im Lateinischen zu finden ist (compensatio = Ausgleichung, Gegenzählung sowie compensare = ausgleichen, ersetzen), so ist er durchaus für die uns vorliegenden Doppelhörner anwendbar und wird im englischen und nunmehr weltweiten Sprachgebrauch als "Compensating Double Horn" klar dem "Full Double Horn" entgegen gestellt.

Für eine mögliche Verwirrung in der Terminologie sorgt nun der bei Euphonien verwendete Begriff „compensated“, in freier Übersetzung also ebenfalls „voll kompensiert“. Nun, dort wiederum haben wir - anders als beim Doppelhorn - keine zwei Stimmungen. Es handelt sich dabei um Instrumente in B, bei welchen während gleichzeitiger Betätigung (einer Kombination (sic!)) der Ventile eine Stimmungsunreinheit (zu hoch) entsteht, welche automatisch durch zusätzliche Rohrlängen innerhalb des Maschinenblocks ausgeglichen, also kompensiert werden.

Wie man auch will, „kompensiert“ und „kombiniert“ meinen zumindest bei Doppelhörnern das gleiche Prinzip.

Mit freundlichen Grüßen

Mario Weller


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