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BeitragVerfasst: So 15. Jul 2012, 10:47 
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Registriert: So 15. Jul 2012, 10:05
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Umgebaute Marx Unverdorben / Leopold Widhalm-Laute im Heimatmuseum Eisenberg

Im Rahmen eines Projektes zu Lauten von Leopold Widhalm bin ich auf eine Laute im Heimatmuseum in Eisenberg gestoßen. Diese Laute war ursprünglich im 16. Jh. von Marx Unverdorben als 7- oder 8-chörige Laute mit Knickhals gebaut worden. 1768 wurde dieses Instrument dann von Leopold Widhalm in Nürnberg zur 13-chörigen Barocklaute mit Schwanenhalslaute umgebaut. Einen weiteren Umbau musste das Instrument im Jahre 1909 durch August Merz in Augsburg über sich ergehen lassen. Dabei wurde sie möglicherweise zu einer theorbierten Gitarrenlaute gemacht. In dieser Form ist sie in einem Foto in der Monatszeitschrift für Kultur und Heimat, Jg. 1 August 1956 abgebildet.
Bei meinem Besuch musste ich leider feststellen, dass das Instrument erneut umgebaut worden ist, nun aber in den Zustand einer 9-chörigen Knickhalslaute.
Vom Original ist nur noch die Muschel aus Elfenbein mit Endkappe, Halskappe (typisch für Unverdorben) und Karnisleisten vorhanden. Alle anderen Teile sind in einer Art ersetzt worden, die leider recht typisch für Arbeiten Mitte des 20. Jahrhunderts waren, die nicht in den Restaurierungswerkstätten der Sammlungen durchgeführt worden sind. Die ganze Technik (Hals, Wirbelkasten, Wirbel, Decke) steht mehr dem Gitarrenbau nahe!
Ich habe im Anhang einige Bilder eingestellt und möchte besonders auf die Rosette verweisen. Diese ist in der Technik und vom Motiv in einem für Lauten völlig unüblichen Stil in die sehr dicke Decke gesägt worden. Möglicherweise läßt sich aber daran die Handschrift des Handwerkers erkennen. Auch die Form der verwendeten (Industrie)wirbel könnte einen Aufschluß geben.

Kennt jemand vielleicht, die Werkstatt oder den Handwerker, der diese Arbeiten ausgeführt haben könnte?
Für jede Hilfe wäre ich sehr dankbar!

Viele Grüße
Dieter Schossig
Historische Musikinstrumente
[url]info@schossig-lautenbau.de[/urlä

(Beim Hochladen der Bilder habe ich leider erfahren, dass nur drei Bilder möglich sind. Wenn jemand weiter Bilder oder diese 3 in hoher Auflöung sehen möchte, so kann ich jederzeit diese liefern.)


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BeitragVerfasst: So 15. Jul 2012, 15:26 
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Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 13:58
Beiträge: 1247
Wohnort: Markneukirchen
Lieber Herr Schossig,

herzlich willkommen in unserem Forum. Haben Sie sich die Lauten bei uns alle schon angesehen oder sollen wir da nochmal nachschauen? Meinen SIe Eisenberg in Thüringen? Eigentlich müsste man ja dort wissen, wer das Instrument zum Umbau bekommen hat oder ist es erst danach ins Museum gekommen?
Ich weiß, dass solche "Restaurierungen" auch an Instrumenten aus dem Leipziger Museum vorgenommen wurden und dass da auch Markneukirchner Instrumentenbauer wie Zölch und Jordan mit beteiligt waren. Bei uns war für solche Dinge kein Geld vorhanden, wöfür man heute dankbar sein muss :shok:

Viele Grüße
Heidrun


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BeitragVerfasst: Mo 16. Jul 2012, 20:57 
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Registriert: So 15. Jul 2012, 10:05
Beiträge: 2
Liebe Heidrun,

danke für die schenlle Antwort. Ich war am Freitag letzter Woche im Museum, meinem ersten Tag nach dem Ende des Studiums an der FH :sad:
Am Donnerstag hatte ich Verteidigung - die Schwanenhalslaute des 18. Jh. Ich hatte leider die Bilder nicht dabei, aber mir ist nichts aufgefallen. Da ich weiterhin oft an der FH zu tun habe, werde ich beim nächsten mal Bilder mitbringen. Der letzte Besuch war einfach schlecht vorbereitet gewesen!!!

Ja, die Laute ist im Museum in Eisenberg in Thüringen. Leider weiß dort niemand, wann und wo der Umbau erfolgt ist. Die ganze Geschichte zwischen dem Stand 1956 und heute ist nicht geklärt. Ich konnte im Museum einen Artikel aus "Zwischen Saale und Elster", Monatszeitschrift für Kultur und Heimat, Jg. 1, August 1956, Hrsg: Rat des Kreises Eisenberg kopieren. Mehr Informationen waren nicht zu bekommen.
Es ist schon traurig, dass dieses schöne Instrument so einen schlechten Umbau ertragen musst. Es wäre die zweite, noch existierende Laute von Leopold Widhalm gewesen. Die einzig noch originale Laute ist im GNM in Nürnberg ausgestellt, falls nicht noch irgendwo ein Instrument auftaucht.

Wenn ich das nächste mal in MNK bin, melde ich mich vorher an. Vielleicht finden wir dann den "missing link". Bis dahin werde ich dem Museum in Eisenberg den Bericht so zusenden und falls es noch Informationen gibt, diese nachliefern.

Vielen Dank und viele Grüße
Dieter


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