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 Betreff des Beitrags: Produktiv Genossenschaft Graslitz
BeitragVerfasst: Sa 23. Mär 2019, 8:46 
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Registriert: Mo 02. Feb 2015, 17:07
Beiträge: 244
Guten Morgen,

weiß jemand etwas über die "Produktivgenossenschaft Graslitz" ?
Insbesondere würde mich die zeitliche Einordnung interessieren - von wann bis wann gab es die und was war deren Mission?

Das einzige, das ich bisher herausfinden konnte, ist, dass es der Vorgänger der "Produktivgenossenschaft der Graslitzer Musikinstrumentenerzeuger eGmbH" gewesen sein könnte, die im Oktober 1946 in Waldkraiburg/Oberbayern gegründet wurde.

Besten Dank im voraus,
Tobi.


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BeitragVerfasst: Sa 30. Mär 2019, 21:19 
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Mitglied des Museumsvereins

Registriert: Do 26. Jan 2006, 20:44
Beiträge: 451
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Tobi,

bei den Graslitzer Genossenschaften steht an erster Stelle die „Genossenschaft der Musikinstrumentenerzeuger im Bezirk Graslitz“, gegr. 1883. Weil ich gerade ein Manuskript überarbeite, wo ich etwas dazu schreibe, hier gleich einige Sätze: Ihr Ziel war die „Förderung der gemeinsamen gewerblichen Interessen ihrer Mitglieder durch Errichtung von Vorschusskassen, Rohstofflagern, Verkaufshallen, durch Einführung des gemeinschaftlichen Maschinenbetriebes und anderer Erzeugungsmethoden, etc. etc.“ (PdW 1906, S. 250). Die Genossenschaft hatte 14 (nach anderen Angaben 17) Fachgruppen und zeitweise mehr als 400 Mitglieder unter den Einzelmeistern und Kleinbetrieben des Graslitzer Bezirkes. Im Rahmen dieser Genossenschaft bestand ferner eine „Kreditkasse der Musik-Instrumenten-Erzeuger“ mit dem Zweck der materiellen Unterstützung ihrer Mitglieder (Gewährung von Darlehen, gemeinsamer Rohmaterialien-Einkauf).

Weitere Informationen dazu in G. Dullats Buch „Der Musikinstrumentenbau und die Musikfachschule in Graslitz von den Anfängen bis 1945“ (Nauheim 1997), S. 83-86.

Aber ich denke, deine Frage zielt konkret auf die „Produktiv-Genossenschaft der Musikinstrumenten- und Bestandteile-Erzeuger in Graslitz“ hin. Diese ist bei Dullat auch erwähnt, sie habe zwischen 1935 und 1939 bestanden. Geschäftsführer war ein Herr Köhler, der in Waldkraiburg „nach der Aussiedlung die Musikspielwaren-Genossenschaft gründete und mit derselben in Konkurs ging.“ (Ebda. S. 83).

Wenn ich es richtig verstehe, dann hatte die Produktivgenossenschaft eine eigene Werkstatt, war also selbst „produktiv“, während die allgemeine Genossenschaft zahlreiche gemeinsame Ziele ihrer Mitglieder verfolgte, die aber nach wie vor für sich selbst produzierten. Ein Teil dieser genossenschaftlichen Ziele wurde in Markneukirchen durch die Innungen erfüllt, derer es in Böhmen um 1900 herum keine gegeben hat.
Klarer belegbar ist die Tätigkeit einer Produktiv-Genossenschaft der Musikinstrumenten-Erzeuger in Schönbach, gegr. 1904. Denn diese besaß ein eigenes Produktionsgebäude, wenn man so will, war die „Produktiv“ die einzige bzw. erste Geigenfabrik des Ortes.

Viele Grüße
Enrico Weller


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BeitragVerfasst: So 31. Mär 2019, 7:41 
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Registriert: Mo 02. Feb 2015, 17:07
Beiträge: 244
Hallo,

vielen Dank fuer die Antwort!

Hier der Grund meiner Anfrage - siehe Gravur auf dem Trichter eines Saxophones.

Dateianhang:
Produktiv Genossenschaft Graslitz M.jpg
Produktiv Genossenschaft Graslitz M.jpg [ 52.01 KiB | 242-mal betrachtet ]


Beste Gruesse,
Tobi.


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BeitragVerfasst: Mo 01. Apr 2019, 16:30 
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Registriert: Di 02. Okt 2007, 11:17
Beiträge: 1378
Wohnort: 69xxx bei heidelberg
wenn man sich vor augen führt, dass ein "objekt" das attraktiv ist sich besser "absetzen" lässt, muss einem die frage ins gesicht springen, wie man mit solch einer gravur; wenn man davon reden darf; es bewirken will.
aufgrund der schreibweise Graslitz ist es ein pre 1945 instrument und dann diese grässliche gravur, oder war der begriff genossenschaft damals schon en vogue?
ich denke da an die raiffeisen-zusammenschlüsse, damals lagerhäuser und "dorf"-banken.

ich nehms jetzt mal spassig:
wer forscht, hat noch nicht den vollen durchblick.

(bitte im übertragenem sinn verstehen)

schön ist jedenfalls die tatsache, dass wieder ein mosaikstein "eingerollt" wurde.

was wäre aus dem instrumenteneck geworden, wenn der krieg nicht gekommen wäre.
....ist ja schon eine romanvorlage.... :v:


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BeitragVerfasst: Di 02. Apr 2019, 19:45 
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Registriert: Mo 02. Feb 2015, 17:07
Beiträge: 244
Das ist wohl ganz einfach:

"diese grässliche Gravur" ist Teil eines ansonsten wunderschönen Altos mit sehr besonderen Features.

Und eben wegen dieser Gravur sicherlich eine Auftragsarbeit für die "Produktiv Genossenschaft Graslitz". Im übrigen gibt es mindestens 2 Saxophone mit derselben Gravur und vom selben Hersteller, das hatte also System!

Dass das Alto vor 1946 (!) gebaut worden ist, war längst klar. Meine Frage nach der zeitlichen Eingrenzung wurde von Enrico wie gewohnt super beantwortet - zwischen 1935 und 1939. Danke nochmals dafür!

Weitere konstruktive Hinweise zu "Produktiv Genossenschaft Graslitz" wären hilfreich.

Tobi.


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BeitragVerfasst: Mi 03. Apr 2019, 3:09 
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Registriert: Di 02. Okt 2007, 11:17
Beiträge: 1378
Wohnort: 69xxx bei heidelberg
da stellen sich dann gleich zwei fragen,

wieso vor 1946? es darf bezweifelt werden, dass man zu dieser zeit sich gedanken (auf deutsch) gemacht hat, wie es mit der genossenschaft weiter geht.

immer noch unklar wäre auch der hersteller, der dann offensichtlich aus gefälligkeit das instrument zur verfügung gestellt hat, ODER von seinem hausgraveur in dieser form "?veredelt?" hat (gegen bezahlung der ganzen chose).

zu der aussage:
...Weitere konstruktive Hinweise zu "Produktiv Genossenschaft Graslitz" wären hilfreich...
denke dass die optimale quelle schon gefunden wurde und sich Dr.Weller nennt.
Danke dafür.

zu dem eingangsthread:
..."Produktivgenossenschaft der Graslitzer Musikinstrumentenerzeuger eGmbH" gewesen sein könnte, die im Oktober 1946 in Waldkraiburg/Oberbayern gegründet wurde....

könnte es etwas mit Hess zusammenhängen, quasi in der neuorientierung nach dem krieg, zu einer zeit in der man noch nicht ausloten konnte wie es "weiter" geht?


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