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 Betreff des Beitrags: Hopf-Violine
BeitragVerfasst: Mo 01. Mär 2010, 12:13 
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Registriert: So 28. Feb 2010, 23:28
Beiträge: 6
Sehr geehrte Damen und Herren,

anbei habe ich ein paar Fotos meiner Violine angehängt. Das auch klanglich sehr schöne Instrument habe ich seit vielen Jahren in Benutzung. Mich würde nun interessieren, ob ich genauere Auskunft über den Erbauer erhalten kann. Klar ist mir bereits, dass es sich um ein typisches Hopf-Modell handelt. Auch dürfte es sich nicht um ein einfaches Manufakturmodell handeln.

Anscheinend wurde für eine Modernisierung ein neuer Hals angepasst, auf dem die ursprüngliche Schnecke aufgesetzt wurde. Die Verleimung ist auf der Aufnahme der Schnecke anhand der unterschiedlichen Maserung von Hals und Schnecke gut zu sehen. Die (fehlende) Maserung der Schnecke könnte meines Erachtens darauf hindeuten, dass für den ursprünglichen Hals kein Ahorn verwendet wurde. Könnte es sein, dass die Schnecke aus z.B. Birnenholz gemacht ist?

Ein Zettel ist nicht vorhanden, lediglich die typische "Hopf"-Brandmarke unter dem Hals. Der Lack ist braunrot und von recht hoher Transparenz. Ich bin recht sicher, dass es sich um einen Spirituslack handelt.

Mich würde besonders interessieren, ob sich eine weitere Eingrenzung vornehmen lässt, welcher der zahlreichen Geigenbauer der Hopf-Familie diese Violine angefertigt haben könnte und aus welcher Zeit das Instrument stammt.

Ich bin sehr gespannt, ob Sie mir Genaueres über das Instrument sagen können.

Viele Grüße aus Wiesbaden.
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 Betreff des Beitrags: Re: Hopf-Violine
BeitragVerfasst: Do 04. Mär 2010, 18:17 
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Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 13:58
Beiträge: 1247
Wohnort: Markneukirchen
Lieber Oschmidt,

ich kann nur das weitergeben, was mir die Geigenbauer immer erzählen: am Stempel kann man nicht erkennen, wer sie gebaut hat. Die Stempel wurden auch von anderen Giegenbauern verwendet. Ich würde die Geige einem Fachmann vorstellen, also einem unserer Geigenbauer, der sicher etwas mehr dazu sagen kann.
http://www.musikinstrumentenbau.eu/stre ... enbau.html


Viele Grüße

Heidrun


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 Betreff des Beitrags: Re: Hopf-Violine
BeitragVerfasst: Do 04. Mär 2010, 20:23 
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Geigenbaumeister

Registriert: Do 02. Feb 2006, 11:16
Beiträge: 498
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Herr Schmidt,

von Carl Christian und David Christian Hopf ist bekannt, daß sie Birnbaum für Köpfe verwendet haben. Aber ein echtes Erkennungskriterium ist dies allein absolut nicht: Wenn ein späterer Geigenbauer eine solche "Hopf" fälschen wollte, hat er ja sicher auch Birne verwendet...

Das beschriebene Ergänzen des Halsgriffs unter Verwendung des Originalkopfes ist gängige Praxis und nennt sich "Anschäfter". Dies wird bei Brüchen angewendet, aber auch um die Hals- Mensur (Abstand Obersattel - Deckenrand) auf das erforderliche Maß zu bringen. Aber dieser Anschäfter ist auch kein echtes Merkmal für eine alte Geige. Bei einer guten Imitation schäftet man einen niegelnagelneuen Kopf an...

Der Lack ist auf Fotos fast immer verfälscht, die besseren Hopfinstrumente, die ich bisher gesehen habe, sahen jedenfalls anderes aus.

Es wird wohl doch nichts anderes übrig bleiben, als mit dem Instrument einen Geigenbauer aufzusuchen.

Mit freundlichen Grüßen

Udo


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 Betreff des Beitrags: Re: Hopf-Violine
BeitragVerfasst: Mo 08. Mär 2010, 23:28 
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Registriert: So 28. Feb 2010, 23:28
Beiträge: 6
Vielen Dank für die Informationen.

Die Violine ist, da sie viel benutzt wird, natürlich schon öfters mal bei einem Geigenbauer gewesen. Die Geigenbauer haben mir bisher übereinstimmend gesagt, dass sie das Instrument nicht für eine einfache Fabrikarbeit halten. Ich hatte zuerst vermutet, dass die Violine Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. Der letzte Geigenbauer, der die Violine gesehen hat, meinte aber, dass sie doch (wohl wegen der Form der Schnecke) deutlich älter sein könnte. Das erst hat mein Interesse geweckt, am (wahrscheinlichen) Ursprungsort im Vogtland nachzuforschen. Ich werde bei Gelegenheit jedenfalls einmal vorbeikommen und mir auch unbedingt das Museum ansehen. :smile:

Viele Grüße,

oschmidt


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 Betreff des Beitrags: Re: Hopf-Violine
BeitragVerfasst: Fr 12. Mär 2010, 18:45 
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Geigenbaumeister

Registriert: Do 02. Feb 2006, 11:16
Beiträge: 498
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Herr Schmidt,
oschmidt hat geschrieben:
Ich werde bei Gelegenheit jedenfalls einmal vorbeikommen und mir auch unbedingt das Museum ansehen.
Prima, Sie werden sehen, Markneukirchen ist eine Reise wert! Und in diesem Jahr werden durch die Feierlichkeiten zu 650 Jahren Stadtrecht besonders viele Dinge geboten siehe Website der Stadt.

Und wenn man zu einer Hopf- Geige forscht, ist bestimmt auch ein Besuch des Klingenthaler Musik- und Wintersportmuseums zu empfehlen.

Mit freundlichen Grüßen

Udo


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 Betreff des Beitrags: Re: Hopf-Violine
BeitragVerfasst: So 28. Mär 2010, 20:34 
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Registriert: So 28. Mär 2010, 18:17
Beiträge: 7
Woran erkennt man denn, ob eine Schnecke aus Birnbaum ist oder nicht?
Vielen Dank im voraus
Geige100


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 Betreff des Beitrags: Re: Hopf-Violine
BeitragVerfasst: Mo 29. Mär 2010, 7:22 
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Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 13:58
Beiträge: 1247
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Geige 100,

das ist wie bei vielen Dingen im Leben. Man kann das nicht erklären, sondern muss es sehen. Holz erkennt man an der Maserung, an der Farbe ( das ist beim bearbeiteten Holz dann schon wieder schwierig, weil gebeizt oder anders behandelt).

Selbst Experten sind sich oft nicht sicher, wie ich bei den Weißgerber-Gitarren jetzt wieder feststellen musste.


Viele Grüße
Heidrun


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 Betreff des Beitrags: Re: Hopf-Violine
BeitragVerfasst: Mo 29. Mär 2010, 9:18 
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Registriert: So 28. Mär 2010, 18:17
Beiträge: 7
Vielen Dank! Könnten sie das an einem Foto erkennen? Dann würde ich nämlich eines von meiner Schnecker (Geige auch aus dem Voigtland...sagt zumindest der Geigenbauer) reinstellen.
Nochmals danke!


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 Betreff des Beitrags: Re: Hopf-Violine
BeitragVerfasst: Di 20. Sep 2011, 22:19 
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Registriert: So 28. Feb 2010, 23:28
Beiträge: 6
Hallo zusammen,

mittlerweile habe ich übrigens selber etwas über die Herkunft herausbekommen. Ich habe am Oberklotz der Violine einen Reparaturzettel gefunden. Demnach ist Violine 1943 von Hans Fankhänel restauriert worden. Über diesen Geigenbauer gibt es im Internet sogar einen Artikel: http://www.wildau.de/Lebensqualitaet/Fr ... schichte(n)/

Übrigens ist das über die Schnecke aus Birnbaum Unfug gewesen. Bei genauerem Hinsehen erkennt man an der Schnecke die typische Flammung von Ahorn, wie sie auch am Boden und den Zargen zu sehen ist. Dies ist auch an dem Foto der Schnecke eindeutig zu sehen.

Viele Grüße,

Oliver Schmidt


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 Betreff des Beitrags: Re: Hopf-Violine
BeitragVerfasst: Mi 21. Sep 2011, 9:05 
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Museumsmitarbeiter

Registriert: Do 22. Dez 2005, 14:06
Beiträge: 170
Wohnort: Erlbach
Hallo Oliver,

das die Schnecken von Carl Christian und David Christian Hopf oft aus Birnbaum gefertigt wurden, ist kein UNSINN. Es ist halt so, Udo hat da völlig recht. Wenn man allerdings erwartet, dass man eine Geige (oder auch die Holzart) anhand eines Fotos identifizieren kann, so ist man doch auf einen Holzweg. Dass wäre UNSINN !! Udo hat ja auch geschrieben, dass wohl nichts anderes übrig bleibt, die Geige einem Geigenmacher mal in die Hände zu drücken. Du schreibst: "Bei genaueren Hinsehen...", aber wie genau kann man eine Holzart auf einem Foto erkennen??? Dass Wort "Unsinn" klingt doch etwas abwertend, obwohl Udo eigentlich nur einen wichtigen Hinweis gegeben hat.

Gruß Hannes


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 Betreff des Beitrags: Re: Hopf-Violine
BeitragVerfasst: Mi 21. Sep 2011, 14:20 
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Registriert: So 28. Feb 2010, 23:28
Beiträge: 6
Uups, tut mir sehr leid. Das war ein Missverständnis. Ich hatte meinen eigenen Beitrag gemeint, nicht den von Udo Kretzschmann. Selbstverständlich hat er sicher recht und auf dem Foto ist die Holzart auch nicht gut zu erkennen. Ich bitte um Entschuldigung.

Viele Grüße,

Oliver Schmidt


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 Betreff des Beitrags: Re: Hopf-Violine
BeitragVerfasst: Do 22. Sep 2011, 11:51 
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Geigenbaumeister

Registriert: Do 02. Feb 2006, 11:16
Beiträge: 498
Wohnort: Markneukirchen
Hallo Oliver,

kein Problem, ich bin nicht empfindlich. Und in Foren kann es schnell mal zu Mißverständnissen kommen, hab ich auch schon verzapft...

Übrigens schönen Dank für die Informationen zu Fankhänel! Dieser Geigenbauer war mir bislang noch nicht untergekommen und ich konnte ihn auch nicht in der Literatur und Datenbank finden. Der Link stimmt aber wohl nicht mehr, aktuell ist: Geigenbauer Hans Fankhänel

Mit freundlichen Grüßen

Udo


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 Betreff des Beitrags: Re: Hopf-Violine
BeitragVerfasst: Mo 22. Jul 2013, 22:56 
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Registriert: So 28. Feb 2010, 23:28
Beiträge: 6
Hallo zusammen,

ich möchte noch einmal auf den Birnbaum zurückkommen. Die Violine war mittlerweile mal wieder beim Geigenbauer zur Reparatur und für ein Wertgutachten für die Versicherung. Der Geigenbauer hat mir gesagt, dass nicht nur die Schnecke, sondern auch Boden und Zargen, also fast alles bis auf die Decke aus Birnbaum gefertigt sind. Mir war bisher nicht bekannt, dass Birnbaum auch geflammt sein kann, wie im Fall meiner Violine. Die erste Vermutung, die ich dann selbst widerlegen wollte, war also zutreffend posting.php?mode=edit&f=12&p=9321#. Der Hinweis von Udo, dass Carl Christian und David Christian Hopf Schnecken aus Birnbaum gefertigt haben, könnte damit also auch auf das beschriebene Instrument zutreffen. Für mich wäre es hier interessant, zu erfahren, welcher vogtländische Geigenbauer Violinen bis auf die Decke natürlich, vollständig aus Birnbaum hergestellt hat. Da die Schnecke angeschäftet ist, gehe ich davon aus, dass auch der ursprüngliche Hals aus Birnbaum gefertigt gesesen sein muss. Das Alter des Instruments hat der Geigenbauer übrigens eher in die 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts gelegt. Die Fotos täuschen etwas, da die Geige überlackiert wurde (wahrscheinlich von besagtem Geigenbauer Fankhänel). Eine weitere Besonderheit ist, dass nicht nur der Boden, sondern auch die Decke einteilig gearbeitet ist.

Viele Grüße,

Oliver Schmidt


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