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Ensemble verschiedener Holzblasinstrumente
A-Karinette aus Plexiglas Gebr. Mönnig,
Markneukirchen 1930 ;
C- Klarinette aus Elfenbein v. J.Schlegel,
Basel um 1770 ;
Oboe v. Aug.Grenser,  Dresden Ende 18. Jh.;
Es-Klarinette, Jehring, Adorf 1830;
Querflöte aus Elfenbein
v. G.H.Scherer, Butzbach um 1740

Geschichtlicher Überblick der Bauformen
An der Abteilung Holzblasinstrumente des Musikinstrumenten- Museums Markneukirchen kann man besonders eindrucksvoll den Wandel in den Aufgaben dieses Museums ablesen. Standen in den ersten Jahrzehnten neben älteren Instrumenten aus dem Fundus vogtländischer Werkstätten vor allem zeitgenössische Instrumente im Mittelpunkt, die den vogtländischen Handwerkern als Muster für ihre Arbeit dienten, so ist der heutige Bestand so angeordnet, die Entwicklung der einzelnen Instrumente bis zur Gegenwart zu dokumentieren.
Obwohl Markneukirchner Drechsler bereits ab 1710 Holzblasinstrumente hergestellt haben könnten und der Beruf des “Geigen- und Pfeifenmachers” schon um 1740 im Vogtland Erwähnung findet, gibt es in Markneukirchen erst ab den 1770er Jahren eindeutigere Belege für dieses Handwerk.
Der frühe vogtländische Holzblasinstrumentenbau ist durch Instrumente der Familien Jäger, Jehring, Lederer, Liebel, Otto, Schuster und Zencker vertreten. 

Daneben zeigt die Sammlung auch Exponate der bekannten sächsischen Werkstätten Grenser, Krone und Sattler, vor allem aus der Zeit um 1800. Nach dem derzeitigen Informationsstand ist das älteste bis heute erhaltene vogtländische Holzblasinstrument im Besitz unseres Museums.Es ist die Oboe Inr. 1040, die 1785 von Johann Georg Otto (1762-1821) gebaut wurde, einem vogtländische Meister, den die Fachliteratur zu den bedeutendsten Holzblasinstrumentenmachern seiner Zeit rechnet. 
Wie vielseitig eine Markneukirchner Werkstatt in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts arbeitete, das dokumentieren sieben Instrumente von Christian Gottfried Schuster (1781-1839).
Aus seiner Werkstatt zeigt unsere Ausstellung ein Fagott (Inr. 0104), ein Oktavfagott (Inr. 0105), ein Kontraquintfagott (Inr. 0135), zwei Flöten (Inr. 0108 und 4367), ein Bassetthorn (Inr. 0106) und eine B-Klarinette nach dem seinerzeit modernen Müller-System (Inr. 0193). Die heute gebräuchlichen Systeme der Holzblasinstrumente sind in der Regel nach ihren Konstrukteuren oder Erfindern benannt. In einigen Bereichen - z. B. bei den Oehler-Klarinetten wurden diese Bauweisen von vogtländischen Firmen in entscheidender Weise mitgestaltet. 


Klarinette v. Grenser Klarinette - Grenser Dresden um 1820


Die jeweils aktuelleren Formen der Boehmflöte (auch als Piccolo- oder Bassflöte) zeigen in unserer Sammlung Instrumente der Firmen Hammig und Gebrüder Mönnig; das Oehler- oder Boehm-System weisen die Klarinetten von Gerhard Gottsmann bzw. Rudi Meinel auf.
Eine Oboe der Marke O. Adler & Co. ist im sogenannten französischen Konservatoriumssystem gebaut. Fagotte, wie das der Firma Gebrüder Mönnig, entsprechen dem deutschen System, d. h. dem Heckel-System. Ohne eine solche Systemangabe nennt man dagegen das Saxophon, in dessen Namen allerdings sein Erfinder Adolphe Sax verewigt wurde. Ausgestellt ist hier u. a. ein aktuelles Modell der Vogtländischen Musikinstrumentenfabrik.
Bei den Blockflöten, die sich mehr oder weniger streng an historischen Vorbildern orientieren, sieht man Instrumente der Firmen W. Schneider, Zwota, und Johannes Adler, Markneukirchen. Auf Einflüsse und Anregungen von außerhalb war der vogtländische Holzblasinstrumentenbau immer angewiesen. Entscheidend war dies vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als eine gewisse Stagnation des Gewerbes eintrat. Durch die rasante Weiterentwicklung der Metallblasinstrumente verringerte sich vor allem der Bedarf an Doppelrohrblattinstrumenten und auch die Zahl der Holzblasinstrumentenbauer war zeitweise
rückläufig.

Sammeln für die Vogtländische Musikindustrie
Mit der zielstrebigen Anschaffung von Modellinstrumenten half das neugegründete Gewerbemuseum, dass dem Gewerbe der Anschluss an die internationale Entwicklung nicht verloren ging. So ließ z. B. das Königlich Sächsische Ministerium des Innern um 1887 sieben Instrumente im damaligen Normalstimmton von a' = 435 Hz anfertigen, wobei Musiker der Hofkapelle z. T. als Berater wirkten. In der Ausstellung findet man davon Klarinetten in A, B und C (Inr. 0537-0539) und eine Piccoloflöte (Inr. 0541) von Heinrich Pinder, Dresden, eine Oboe von E. Jehring, Leipzig (Inr. 0543) und eine Flöte von B. Muss aus Wien (Inr. 577 ).
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es sich bei den ersten beiden Meistern um “ausgewanderte Vogtländer” handelt. Sie konnten in sächsischen Großstädten die aktuellen Entwicklungen schneller aufnehmen und somit ihrer Heimat als Vorbild dienen.
Weitere beispielgebende Instrumente aus der Zeit der Jahrhundertwende sind eine originale Flöte von Theobald Boehm (Inr. 1089), Boehmflöte und -piccolo der Firma Berthold & Söhne aus Speyer (Inr. 0738, 0739), Flöten des Berliner Meisters Rittershausen (Inr. 0983, 0985), Flöten im Meyer- und Schwedler-Kruspe-System sowie eine Klarinette im Boehm-System (Inr. 0901).
Die Leihbücher des Gewerbemuseums beweisen, dass die vogtländischen Meister noch bis zum Beginn unseres Jahrhunderts vom Angebot dieser Modellinstrumente wiederholten Gebrauch machten. Als besonders weitsichtig erwies sich 1895 die Anschaffung eines Tenorsaxophons, das von der Pariser Firma Gautrot-Marquet gebaut wurde (Inr. 0917). Es diente als Vorbild für die erste deutsche Saxophonproduktion, welche die Firma Oscar Adler & Co. ab 1901 aufbaute. Ein originales Instrumente aus der Firma von Adolphe Sax (Inr. 3475) kam dagegen erst später in die Markneukirchner Sammlung.

Werkstoffe für Holzblasinstrumente
Die chronologische Anordnung der einzelnen Instrumentenarten in unserem Museum verdeutlicht dem Besucher neben der Erweiterung des Klappenmechanismus vor allem auch den Wandel im Einsatz des Werkstoffes Holz, z. B. die Verdrängung von Buchsbaum durch Grenadill. 
Denn gerade mit der Zunahme des Klappenwerks standen die Holzblasinstrumentenmacher immer wieder vor der Frage, neue feuchtigkeitsunempfindliche Werkstoffe auszuprobieren.

Die jeweils aktuelleren Formen der Boehmflöte (auch als Piccolo- oder Bassflöte) zeigen in unserer Sammlung Instrumente der Firmen Hammig und Gebrüder Mönnig; das Oehler- oder Boehm-System weisen die Klarinetten von Gerhard Gottsmann bzw. Rudi Meinel auf.
Eine Oboe der Marke O. Adler & Co. ist im sogenannten französischen Konservatoriumssystem gebaut. Fagotte, wie das der Firma Gebrüder Mönnig, entsprechen dem deutschen System, d. h. dem Heckel-System. Ohne eine solche Systemangabe nennt man dagegen das Saxophon, in dessen Namen allerdings sein Erfinder Adolphe Sax verewigt wurde. Ausgestellt ist hier u. a. ein aktuelles Modell der Vogtländischen Musikinstrumentenfabrik.
Bei den Blockflöten, die sich mehr oder weniger streng an historischen Vorbildern orientieren, sieht man Instrumente der Firmen W. Schneider, Zwota, und Johannes Adler, Markneukirchen. Auf Einflüsse und Anregungen von außerhalb war der vogtländische Holzblasinstrumentenbau immer angewiesen. Entscheidend war dies vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als eine gewisse Stagnation des Gewerbes eintrat. Durch die rasante Weiterentwicklung der Metallblasinstrumente verringerte sich vor allem der Bedarf an Doppelrohrblattinstrumenten und auch die Zahl der Holzblasinstrumentenbauer war zeitweise
rückläufig.

Sammeln für die Vogtländische Musikindustrie
Mit der zielstrebigen Anschaffung von Modellinstrumenten half das neugegründete Gewerbemuseum, dass dem Gewerbe der Anschluss an die internationale Entwicklung nicht verloren ging. So ließ z. B. das Königlich Sächsische Ministerium des Innern um 1887 sieben Instrumente im damaligen Normalstimmton von a' = 435 Hz anfertigen, wobei Musiker der Hofkapelle z. T. als Berater wirkten. In der Ausstellung findet man davon Klarinetten in A, B und C (Inr. 0537-0539) und eine Piccoloflöte (Inr. 0541) von Heinrich Pinder, Dresden, eine Oboe von E. Jehring, Leipzig (Inr. 0543) und eine Flöte von B. Muss aus Wien (Inr. 577 ).
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es sich bei den ersten beiden Meistern um “ausgewanderte Vogtländer” handelt. Sie konnten in sächsischen Großstädten die aktuellen Entwicklungen schneller aufnehmen und somit ihrer Heimat als Vorbild dienen.
Weitere beispielgebende Instrumente aus der Zeit der Jahrhundertwende sind eine originale Flöte von Theobald Boehm (Inr. 1089), Boehmflöte und -piccolo der Firma Berthold & Söhne aus Speyer (Inr. 0738, 0739), Flöten des Berliner Meisters Rittershausen (Inr. 0983, 0985), Flöten im Meyer- und Schwedler-Kruspe-System sowie eine Klarinette im Boehm-System (Inr. 0901).
Die Leihbücher des Gewerbemuseums beweisen, dass die vogtländischen Meister noch bis zum Beginn unseres Jahrhunderts vom Angebot dieser Modellinstrumente wiederholten Gebrauch machten. Als besonders weitsichtig erwies sich 1895 die Anschaffung eines Tenorsaxophons, das von der Pariser Firma Gautrot-Marquet gebaut wurde (Inr. 0917). Es diente als Vorbild für die erste deutsche Saxophonproduktion, welche die Firma Oscar Adler & Co. ab 1901 aufbaute. Ein originales Instrumente aus der Firma von Adolphe Sax (Inr. 3475) kam dagegen erst später in die Markneukirchner Sammlung.

Werkstoffe für Holzblasinstrumente
Die chronologische Anordnung der einzelnen Instrumentenarten in unserem Museum verdeutlicht dem Besucher neben der Erweiterung des Klappenmechanismus vor allem auch den Wandel im Einsatz des Werkstoffes Holz, z. B. die Verdrängung von Buchsbaum durch Grenadill. 
Denn gerade mit der Zunahme des Klappenwerks standen die Holzblasinstrumentenmacher immer wieder vor der Frage, neue feuchtigkeitsunempfindliche Werkstoffe auszuprobieren.

Hier wurde 1936 Plexiglas erstmals im Holzblasinstrumentenbau eingesetzt. Mit den in unserer Sammlung ausgestellten Instrumenten errang man 1937 den Grand Prix der Weltausstellung in Paris.

Sonderformen und Patente Zusätzlich zu den entwicklungsgeschichtlich sich verändernden Bauformen und Systemen hält auch die Holzblasinstrumentenabteilung unseres Museums einige Spezialformen und Erfindungen bereit.
Neben dem ausgestellten Sarussophon (Inr. 1106), einem ca.1856 in Frankreich erfundenen Klappenblasinstrument mit Doppelrohrblatt, sind vor allem drei im Vogtland entwickelte und gebaute Sonderformen der Klarinette interessant.Am 27.09.1893 wurde unter der Nr. 83005 das erste Patent auf ein vogtländisches Blasinstrument erteilt. Es handelt sich hierbei um ein “zweiröhrig verkürztes Holzblasinstrument”, das wegen der Eigenschaft des Oktavierens auch als Oktavin bezeichnet wurde und in unserer Sammlung unter Inr. 0904 ausgestellt ist.Dieses Instrument besitzt zwar ein Klarinettenmundstück, in seiner Bauweise verbinden sich aber auch Elemente von Oboe, Fagott und Saxophon, so dass seine Klangeigenschaften zwischen Klarinette und Saxophon liegen. Das Oktavin, zuweilen auch als “Deutsches Saxophon” bezeichnet, wurde bereits 1881 vom Adorfer Instrumentenbauer Julius Jehring (1821-1905) erfunden


Fritz Mönnig, Markneukirchen

Willy Mönnig, mit dem Fagott aus Plexiglas bei der Übergabe der Leihexponate für das Museum
.Die geschäftsmäßige Verwertung und Patentierung erfolgte aber erst 1893 durch die erste Markneukirchner Holzblasinstrumentenfabrik, die Firma Oscar Adler & Co. Während das Oktavin einige Jahrzehnte in kleiner Serie gebaut wurde, liegen zwei weitere vogtländische Patentklarinetten nur als Prototypen vor.

1
Vierteltondoppelklarinette von F. Schüller, Markneukirchen um 1930

Beide entstanden sie Anfang der 1930er Jahre und sind somit Zeugnisse einer ausgesprochen schöpferischen Phase des vogtländischen Holzblasinstrumentenbaus.
Die Steinklarinette (Inr. 4458) geht auf eine Erfindung von Friedrich Stein aus Saarbrücken zurück, bei der ein verändertes Griffsystem auf zwei Metallröhren angebracht wurde.
Die Patente auf diese erhoffte Verbesserung erteilte man 1928 und 1932 (Nr. 510975 u. 580478), die Entwicklung und Herstellung der Prototypen erfolgte bei der Markneukirchner Firma Gebrüder Mönnig. 
Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts diskutierte Kompositionsweise mit sogenannten “Mikrointervallen” regte Fritz Schüller (1883-1977) an, eine Vierteltondoppelklarinette (Inr. 1410) zu konstruieren, worauf 1932 das Patent Nr. 583817 ausgestellt wurde. 
Zwischen zwei nebeneinander liegenden Röhren, die sich um einen Viertelton unterscheiden, kann gewechselt werden, ohne auf die übliche Griffweise zu verzichten, so dass eine Vierteltonleiter spielbar wird .

Weitaus größere Spuren als diese Erfindungen hat allerdings die Wiederentdeckung eines Instrumentes hinterlassen, denn Markneukirchen war in den 1920er Jahren Ausgangspunkt der deutschen Blockflötenrenaissance. 1926 (oder bereits 1923) stellte Peter Harlan gemeinsam mit dem Holzblasinstrumentenbauer Kurt Jacob (1896-1973) die ersten vogtländischen Nachbauten von Blockflöten her, wobei auch das deutsche Griffsystem der Blockflöte entstand (Inr.4920). Text: Dr. phil. Enrico Weller

 

   

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