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Übergabe Förderpreis

Laudatio von Dr. Igor Jenzen, Direktor des Sächsischen Volkskundemuseums

bei der Übergabe des Sächsischen Museumsförderpreises am 7. Dezember 2007 an das Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich habe die Freude, ein Museum ehren zu dürfen, das mir ganz persönlich einen herrlichen Nachmittag bereitet hat, ein Museumserlebnis der besonderen eindrücklichen Art, das zu einem roten Kreuzchen in meinem Gedächtnis geführt hat. Und das wiederum hat dazu geführt, dass dieses besagte Museum auf der neuen digitalen Sachsenkarte des Museums für Sächsische Volkskunst als empfehlenswertes Spezialmuseum verzeichnet ist.

Es ist schon fast drei Jahre her, dass ich mit meiner Familie zum ersten Mal dort war. Wir hatten ein kleines Spezialmuseum erwartet, mit heimatkundlichem Ambiente. Vorgefunden haben wir eine Zeit- und Raumschleuse, in der man sich fast zwangsläufig verlor. Schon das Gebäude ist nicht etwa ein Zweckbau, sondern ein Sehnsuchtsort: Ein Bürger hat sich hier ein Schlösschen gebaut, nach den Proportionen seiner Möglichkeiten und in dem Bestreben, die adligen Repräsentationsformen gerade so weit zu vernünftigen, dass die adlige Vorlage noch deutlich genug anklingt. Dieses architektonische Unikat mit seiner einzigartigen Aura hat ohne Zweifel die richtigen Bewohner gefunden, denn die pflegen und hegen es mit besonderer Hingabe, was im Sommer in wünschenswerter Deutlichkeit an den üppig gefüllten Blumenkästen leicht zu erkennen ist.

Im Inneren erwartet den Besucher eine dichtgepackte Sammlung glänzender und schimmernder Exponate. Hier liegt das Augenmerk nicht auf dem exorbitant bedeutenden Einzelstück, obwohl es durchaus einige besonders bemerkenswerte Exponate zu bestaunen gibt, sondern auf der Fülle der Beispiele und Varietäten. In Folge dessen darf das Auge über gut gefüllte Sammlungsvitrinen gleiten, die in Funktion und Anmutung ihre Herkunft von den Mustervitrinen nicht verleugnen.

Und obwohl die Exponate überhaupt nicht – oder doch nur sehr am Rande – zum Anschauen gemacht wurden und obwohl sie ihre Besonderheit und Botschaft – so stumm, wie sie da liegen – gar nicht übermitteln können, erzählen sie doch ganz anschaulich von den Momenten, in denen sie zum Leben erweckt wurden und werden, diese … diese Musikinstrumente. Ganz plastisch haben wir vor Augen, wie sie zum Klingen gebracht werden. Es ist eine Besonderheit, eine Eigentümlichkeit von Musikinstrumenten, dass wir ihren Klang in den Ohren und ihre Spieler vor Augen haben, wenn wir sie nur sehen. Melodien gehen uns durch den Kopf, wir denken an Musiker und würden am liebsten Hand anlegen, Saiten zupfen, mit Klappen klimpern und Trommelfelle anschlagen. Dieses sozusagen imaginär-sinnliche Vergnügen ist sicher in den meisten Menschen angelegt, aber ist es deshalb einfach Musikinstrumente auszustellen?

Mitnichten.

Man kann unendlich viel falsch machen. Man kann die Instrumente zum Beispiel vereinzeln und in der Art von Kunstwerken überinszenieren. Man kann sie auch mit zu großen Räumen konfrontieren, dann hört man sozusagen den Hall mit. Man kann sie vernachlässigen, sie alleine lassen, ohne Erläuterung, ohne Geschichte drum herum, man kann sie im Gegenteil auch an die Wand pinnen und sezieren, sie wie Dinosaurier in große Stammbäume einpflanzen, bis sie zum Lehrstoff versteinern. Es gibt sicher noch eine ganze Menge Fehler, die man machen kann. Ich will sie bei einem so schönen Anlass gar nicht alle aufzählen.

Wenn man aber Musikinstrumente liebt, dann kann einem so etwas wohl eher nicht passieren. Und dass das Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen von Menschen beseelt wird, die Musikinstrumente lieben, das wird überall in diesem Haus erfahrbar. Das ist der erste und wichtigste Grund für diesen Förder- oder sollen wir besser sagen Fürderhin-Preis.

Der zweite Grund ist die Professionalität, mit der dieses Museum betrieben wird. Das Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen erzählt die Geschichte des Instrumentenbaus im Vogtland. Es erzählt die Geschichte unaufdringlich, unterhaltsam und anschaulich, immer im Zusammenhang mit den Instrumenten. Es ist ein völlig stimmiges Gesamtkonzept. Die Bewillkommnung und Führung der Besucher, die sich als Gäste fühlen dürfen, die Information und ihre Aufbereitung, die unaufdringliche, geschmackvolle Gestaltung, die den Exponaten den Rücken stärkt statt mit ihnen in Konkurrenz zu treten, die Auflockerung des Rundgangs mit kleinen Inszenierungen usw. usf.

Das alles ist wirklich erfreulich. Aber die Qualität der Museumsarbeit zeigt sich auch im Hintergrund. Die optimale Ausnutzung der durchaus knappen Mittel, die Einwerbung von Drittmitteln und die Generierung von Einnahmen; die Werbung, vor allem auch der Bustouristen, die Zusammenarbeit mit Touristinformationen, den Kurkliniken Bad Elster, mit den Hotels und Pensionen, das ist durchaus professionell.

Besonders bemerkenswert aber ist, dass sozusagen hinter diesem Haus eine profunde wissenschaftliche Kompetenz steht und das kontinuierlich seit Generationen. Die jetzige Direktorin Heidrun Eichler ist in dieses Haus sozusagen hineingewachsen, kennt es seit Kinder- und Jugendtagen und steht im besten Sinne erstens im Stoff und zweitens in der Tradition des Hauses. Sie wird flankiert von einem Förderverein und von einigen ansässigen Fachleuten. Man könnte ohne Übertreibung sagen, sie und ihre Mitarbeiter beleben das Haus nicht nur, sie leben es. Ergebnis die der Lebensweise ist eine Fülle von hochinteressanter Literatur, die man einem Haus dieser Größe durchaus nicht zutraut. So marginal oder randständig das Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen auf der Landkarte ist, so präsent ist es in der Fachwelt und via Internet sogar bei Ihnen und mir zuhause. In allen einschlägigen nationalen und internationalen Fachkreisen fest verankert und im ständigen Austausch mit Wissenschaftlern und Laien, bewältigt das Museum eine Fülle von Anfragen und Hilfeleistungen. Für mich die Krönung ist ein quicklebendiges Internetforum zur Geschichte des Musikinstrumentenbaus, wo eine internationale Gemeinschaft von Instrumentenenthusiasten ihr Austauschmedium gefunden hat. Schauen Sie mal rein, www. museum-markneukirchen.de, Sie werden sich wundern.

Sie werden sich dagegen gar nicht wundern, wenn ich Ihnen versichere, dass auch die Bewerbungsunterlagen vorbildhaft sind. Das Finanzamt, der Amtsvorsteher, das Tourismusmanagement, die Beratungsstelle für Museumswesen, sie alle und natürlich die Jury hätten und hatten ihre helle Freude an der offenen, transparenten, sachlichen, vollständigen und eloquenten Bewerbung.

Frau Eichler, ich freue mich von ganzem Herzen, Ihnen den Sächsischen Museumsförderpreis für Ihre profunde, belebte, beliebte und jetzt auch noch belobte Museumsarbeit zu überreichen.

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH !

   
 

Lustiges vom Instrumentenbau

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