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Das Paulusschlössel im Jahreswechsel
>>Das Paulus-Schlössel, so benannt nach seinem letzten Besitzer, ist ein spätbarockes Bürgerhaus und eine architektonische Kostbarkeit im südlichen Vogtland. Zum Glück blieb es beim großen Stadtbrand 1840 verschont. Das Gebäude bestand ursprünglich aus Wohnhaus, 2 Seitenflügeln und einem Wirtschaftsflügel, die den Hof allseitig umschlossen.

Es wurde 1784 von dem Markneukirchner Ratszimmermeister Johann Adam Mönnig erbaut.Von diesen Kindern ging es 1815 durch Kauf in das Eigentum des Ratskämmereres, Instrumentenmachers und späteren Bürgermeisters Christian Gottfried Glier über.Übrigens waren der Vater des neuen Hausbesitzers Glier und der Ur-ur-Großvater des ukrainischen Komponisten Reinhold Moritzewitsch Glier (dessen Namen heute unsere Musikschule trägt) Brüder. Über den Sohn und Enkel Christian Gottfried Gliers kam das „Schlössel“ dann in die Hand des Saitenfabrikanten Max Paulus, er war ein Neffe des erwähnten Enkels. Und als Max Paulus 1927 ohne Nachkommen verstarb, hinterließ er das Grundstück samt Gebäuden seiner Haushälterin, Frieda Pfeiffer, als Universalerbin. Nacherben sollten je zur Hälfte die Stadt und die Kirchgemeinde Markneukirchen sein. Leider verfielen die Gebäude immer mehr, die Besitzerin hatte keine Mittel zur Erhaltung, aber auch über einen Ankauf durch die Stadt Markneukirchen konnte man sich nicht einigen. 1934 beantragte Frau Pfeiffer die Genehmigung zum Abbruch des Südflügels (Stallungen) und der Seitengebäude und erhielt sie auch, da der bauliche Zustand die Sicherheit und Gesundheit der Bewohner gefährdete. Zum Glück wurde nur der Südflügel abgebrochen und ein Teil des Ostflügels. Als die Besitzerin im Januar 1936 sogar den Abbruch des Hauptflügels beantragte, um „wertvolles Bauland“ zu gewinnen, griff der damalige Bürgermeister ein. Die Abbruchgenehmigung wurde verweigert und im September 1936 das Hauptgebäude, später das ganze Gebäude unter Denkmalsschutz gestellt. Zu dieser Zeit waren im Paulus-Schlössel insgesamt 6 Wohnparteien und eine Tischlerwerkstatt untergebracht, die im Laufe des folgenden Jahres das Haus verlassen mußten.
Noch 1936 begannen die dringendsten Sicherungsarbeiten. Da das Grundstück mit Hypotheken und Zinsschulden belastet war, deren Rückzahlung durch Frau Pfeiffer unmöglich war, kam es im Februar 1938 zur Zwangsversteigerung. In deren Verlauf erwarb die Stadt Markneukirchen, die sich das Vorkaufsrecht gesichert hatte, das Paulusschlössel für 23.500 M. Dadurch wurden gerade die Hypotheken und Schulden getilgt. Frau Pfeiffer, die sich eine gute Altersversorgung erhofft hatte, bekam eine kleine monatliche Rente.
In zähen Verhandlungen bemühte sich nun Bürgermeister Dr. Müller, die umfangreichen finanziellen Mittel für die Rekonstruktion des Paulusschlössels bei den verschiedensten Institutionen zu erhalten, z.B. durch das Landesdenkmalsamt und das Sächsische Ministerium des Innern Dresden. Der „Sächsische Heimatschutz“ in Dresden fertigte und verkaufte im Sommer 1937 eine Postkartenserie vom Paulusschlössel, deren Gesamtgewinn für die Bauarbeiten verwendet wurde - leider war der Ertrag nicht so hoch wie erhofft. Übrigens tauchte schon Ende 1936 der Gedanke auf, das Gebäude zu einem Kulturzentrum der Stadt werden zu lassen und das Musikinstrumenten-Museum hier unterzubringen.


Unter Leitung des Architekten Johannes Höra aus Bad Elster und in Zusammenarbeit mit Landesdenkmalpfleger Dr. Bachmann aus Dresden begannen im Sommer 1938 die Bauarbeiten, die sich bis 1940 hinzogen und zuerst das Hauptgebäude umfaßten. Dabei wurden die Mauern durch eine Ringverankerung gesichert, später eingebaute Wände in den Dielen entfernt, schlechte Fachwerkwände und schwammdurchsetztes Mauerwerk durch massive Mauern ersetzt, zwei Hauptschornsteine abgebrochen und neu aufgemauert, der halbrunde Hofvorbau gesichert, das Schieferdach abgetragen, durch Schwamm und Fäulnis befallene Balken und schadhafte Dachschalung ersetzt, das Dach neu gedeckt, alle Dachrinnen erneuert, ebenso die elektrische Anlage, eine Gasheizung eingebaut und vieles andere mehr. Bei Versicherung der Laubengänge an der Hofseite wurde die Säulenanordnung am Erdgeschoß geändert und die Säulen neu hergestellt.Unverständlich für viele Einheimische war die Beseitigung der 1882 angelegte Freitreppe, die vom Mittelzimmer des Erdgeschosses zur Straße führte.
Bis Frühjahr 1942 folgte dann die Inneneinrichtung mit stilgetreuen Tapeten,
Kronleuchtern und neuen Biedermeier-Kachelöfen aus Heidelberg, und ab Sommer 1942 wurde das Museum im Hauptgebäude des Paulus-Schlössels untergebracht.
Im Herbst 1941 war im Westflügel eine Hausmannswohnung ausgebaut worden, und im Ostflügel richtete man zwei Lehrstätten der Musikinstrumentenmacherschule (Berufsschule) ein. Nachdem diese Werkstätten später verlegt wurden, beherbergt der Ostflügel heute drei Abteilungen des Museums.
Im Westflügel, der bis Frühjahr 1977 bewohnt war, sind heute Arbeits- und Verwaltungsräume sowie Bibliothek und Magazine des Museums untergebracht.

Das Hauptgebäude zeigte sich dem zunehmenden Besucherstrom der letzten Jahre nicht ganz gewachsen, so daß größere Erhaltungsmaßnahmen nötig wurden. Dank der großzügigen finanziellen Unterstützung unseres Staates konnten im Frühjahr 1979 die Dielen im 2.Stock saniert werden (es mußten neue Balken eingezogen werden, um die Tragfähigkeit zu sichern), und im Sommer 1980 wurden die Säulenfundamente des halbrunden Hof-Vorbaues erneuert. Beträchtliche Mittel erforderte auch die Renovierung des Westflügels einschließlich des Heizungseinbaues und des Dachbodenausbaues, wobei ein Teil der Arbeiten in Eigenleistung durchgeführt wurde. Noch nicht verwirklicht werden konnte der Plan, die vor über 45 Jahren abgebrochenen Gebäudeteile wieder aufzubauen.

Hanna Jordan
Markneukirchen,1981

   
 

Lustiges vom Instrumentenbau

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Markneukirchen und seine Geschichte
Markneukirchen

 

 











 
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