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Weissgerber
Publikation über den
Gitarrenbauer Richard Jacob

 

Wenn man die Geschichte der Gitarre von der Antike bis in die Gegenwart verfolgt, so wird die historische Entwicklungslinie stets fragwürdig sein.
Beschränkt man sich allerdings nur auf den europäischen Raum, so können Frühformen bereits im 13. Jahrhundert in Spanien nachgewiesen werden, die sich dort aus der “Guitarra Latina” bzw. “Guitarra Morisca” entwickelt haben.
Diese gehen wiederum zum  Teil auf die arabische Laute zurück, die im Jahre 711 nach Spanien kam. Einige bauliche Details wie, z. B. Querriegel, Schalloch, Innenkonstruktion, wurden für die damalige Gitarrenform übernommen.



02Blick in den Raum der Zupfinstrumente

Verfolgt man die Entwicklungsgeschichte des Instruments hier in Europa, dann muss  man eine Vielzahl weiterer Formen nennen: Vihuela in Spanien, Chitarra battente in Italien und die deutsche Quinterra. Spanien war hinsichtlich der Entwicklung der Konzertgitarre führend. 
Aber auch in Deutschland gab es im weiteren Sinne ein Geburtsjahr der heutigen Konzertgitarre. Herzogin Anna Amalia von Weimar führte 1788 ein "neues italienisches Instrument", wie es irrtümlich hieß, ein. Es war zunächst noch fünfsaitig. Der Weimarer Lautenbauer Jakob August Otto fügte die tiefe E-Saite hinzu, und somit war 1788 in Deutschland die Urform der Gitarre, was Besaitung und Stimmung betrifft, entstanden. Bezüglich Bauart und Konstruktion musste sich das Instrument allerdings noch vielen Veränderungen im Laufe der nächsten Jahrhundete unterwerfen. Zu erwähnen ist hierbei der Spanier Anton de Torres (1817-1892), der als Hauptbegründer der neuen spanischen Bauweise gilt und dessen Modell bis heute bei den Herstellern als wegweisend gilt.
Der Ton der Gitarre (Klangstärke und Klangfarbe) wird weitestgehend von der äußeren Form, von verarbeiteten Holzarten, Holzstärke, inneren Bauteilen sowie von der Form und Plazierung der Schallöcher geprägt. 


Dietrich & Engleder

Gitarre links: Frank-Peter Dietrich, Erlbach, 1995; rechte: A. Engleder, München um1830

 

Die Decke als wichtigstes Resonanzteil wird meist aus Fichte, Fichtenfurnier oder Zedernholz gefertigt. Andere Holzarten sind eher selten. Die Decke ist meistens gerade, selten gewölbt oder mit Hohlkehle am Rand versehen. Bei Boden -  mehr oder weniger gewölbt - und der Zarge kommen Massivhölzer, wie Ahorn, Mahagoni, Palisander, Nussbaum u. ä., teilweise auch furniert, zum Einsatz.
Ein wichtiger Faktor für den guten Klang der Gitarre besteht in der Anordnung der Leisten. Sie dienen zum einen der Festigung, zum anderen der Eindämmung der Eigenschwingungen als auch der Angleichung der Schallausbreitung (besonders bei Massivholz). Man unterscheidet Quer- und Strahlenleisten, die unterschiedlich angeordnet sind und aus Fichte hergestellt werden. Natürlich beeinflussen auch andere Teile der Gitarre, wie z.B. Hals, Steg und Mechanik den Ton.

Nach ihren Umrissformen unterscheidet man heute im wesentlichen zwei Modelle:

1. Spanisches Modell: flacher Mittelbug (Einbuchtung der Zargen), “flachere Kurven”, Oberbreite betont schmaler als Unterbreite, höhere Zargen, flache Wölbung des Bodens

2. Wiener Modell: tieferer Mittelbug (spitzer eingezogene Taille), mehr “runde Kurven”, niedrigere Zargen, stärkere Wölbung des Bodens.

Es gibt noch eine weitere Reihe von Sonderformen, wie z.B. die zwölfsaitige Gitarre, Russische Gitarre (7-saitig) oder die Bassgitarre. Nicht zu vergessen Lyra-, Füllhorn- und Wappengitarre, wobei letztere aber nur Modeerscheinungen vergangener Tage waren. Alle diese Formen und Arten sind in unserem Museum zu bewundern.
Die Hälfte der ca. 60 Gitarren (meist europäischer Herkunft) sind in der Ausstellung zu sehen. Ein Großteil dieser Instrumente stammt aus dem vergangenen Jahrhundert. Einige hervorragende Meister seien hier kurz erwähnt:

 

Augustin Claudot (1776-1843), Mirecourt
Santino Lavazza (1718?-1780?), Mailand
Andreas Engleder (1810-nach 1860), München
Johann Georg Stauffer (1778-1853), Wien
Johann Anton Stauffer (ca.1805-nach 1851), Wien 

 

Bei den beiden letztgenannten handelt es sich um besonders erfindungsreiche Meister, die auch Bedeutung für den vogtländischen Gitarrenbau haben und deren Instrumente deshalb näher vorgestellt werden.
Nicht nur Gitarren aus dem vergangenen Jahrhundert werden in der Ausstellung gezeigt, sondern auch Meisterinstrumente aus jüngerer Zeit. Allen voran Arbeiten von Richard Jacob  (Weißgerber), der vom 11.2.1877 bis 17.7.1960 in Markneukirchen lebte und als der bedeutendste Vertreter seiner Zunft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland angesehen werden muss.
Kurz vor seinem Tod baute er noch zwei Gitarren, eine davon ist mit der Inventarnummer 4937 ausgestellt. Sie wurde dem Museum von der Einkauf- und Liefergenossenschaft MIGMA anlässlich der Wiedereröffnung des Museum nach umfangreichen Bauarbeiten 1988 geschenkt und ist als Vermächtnis für die nächsten Generationen von Gitarrenbauern zu sehen.
Es handelt sich um ein großes spanisches Konzertmodell nach Torres mit einer 65-er Mensur. Boden und Zargen sind aus Rio-Palisander und naturfarben poliert, ebenso die Decke, die aus rumänischer Fichte besteht. Boden und Decke besitzen eine ebenmäßige Hohlkehle. Der Rand des querliegenden, ovalen Schallochs entspricht dem Deckenrand. Hals und angesetzter Kronenkopf sind aus Mahagoni.


01

Konzertgitarre R. Jacob
"Weißgerber" 1960


Der Kopf ist durchbrochen und beiderseits mit einem Schnitzmuster versehen. Das Griffbrett ist aus Ebenholz. Es liegt freischwebend über der Decke. Der spanische Steg ist gleichfalls aus Ebenholz und hat Elfenbeineinlagen.
Auch heute noch tätige Gitarrenbaumeister, wie z. B. Frank-Peter Dietrich (Jahrgang 1938) aus Erlbach, sind in unserer Sammlung vertreten. Er schenkte dem Museum eine Barockgitarre (Inr.5065 )nach Joachim Tielke (1641-1719). Das Instrument ist fünfchörig und hat eine 64-er Spielmensur. Boden und Zargen sind aus geflammtem Ahorn, die Decke ist aus Fichte und besitzt eine dreifach Pergamentrosette. Die Gitarre hat rundum eine Schellack- Politur. 

Eine Zupfinstrumentenmacher-Dynastie soll besonders erwähnt werden. Es handelt sich um die Familie Martin. Als um 1800 der Gitarrenbau in Markneukirchen heimisch wurde, war neben Carl Gottlob Wild und Carl Jacob auch Johann Georg Martin einer der Wegbereiter dieses neuen Handwerkszweiges.
Sein Sohn Christian Friedrich Martin (1796-1873) ging bei ihm in die Lehre und anschließend um 1820 zur weiteren Ausbildung zu Johann Georg Stauffer (1778-1853) nach Wien.  Stauffer war zur damaligen Zeit wohl der beste Wiener Gitarrenmacher. Martin war äußerst geschickt und brachte es bis zum Vorarbeiter in dieser Werkstatt.

Die Heirat mit der Wienerin Ottilie Lucia Kühle veranlasste ihn offensichtlich, Stauffer zu verlassen, denn sein Schwiegervater war Tischler und baute auch Musikinstrumente. Dort fand er eine neue Anstellung. Sein Sohn Christian Friedrich Martin wurde am 2.10.1825 geboren.Nach Rückkehr in seine Heimat und relativ kurzem Aufenthalt in Markneukirchen wanderte er 1833 nach Amerika aus.
Über den Grund gibt es interessante Spekulationen. So soll es zwischen ihm und der Geigenmacherinnung Streit gegeben haben wegen der Mitgliedschaft.
Die Geigenbauer waren der Meinung, dass die Gitarrenhersteller in die Tischlerinnung gehörten. Seine erste Werkstatt gründete er in New York und betrieb nebenher einen Handel von Musikinstrumenten, der florierte. Um 1838 verlegte Martin seinen Wohnsitz und Werkstatt nach Nazareth/Pennsylvania. Von diesem Zeitpunkt an expandierte das Unternehmen C. F. Martin & Co. ständig bis zur heutigen Zeit. Es war immer in Familienbesitz und zählt nach wie vor zu den führenden Gitarrenherstellern der Welt.
Eine Westerngitarre (Modell HD-28 BSE) aus dem Jahre 1992 aus Rio Palisander (Zargen und Boden) und Fichtendecke ist in unserer Sammlung zu sehen. Sie wurde dem Museum von Christian Friedrich Martin IV., der in der sechsten Generation das Unternehmen leitet, anlässlich eines Besuches in Markneukirchen zum Geschenk gemacht.

 

   
Lustiges vom Instrumentenbau

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Markneukirchen und seine Geschichte
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