G.Rudolf Uebel Tenor Saxophon

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Martinjarm
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G.Rudolf Uebel Tenor Saxophon

Beitrag von Martinjarm »

Guten Tag,

ich habe ein altes Tenorsaxophon von einem Erben bekommen und restaurieren lassen. Leider ist die Herkunft fraglich.
Das Saxophon hat (siehe Bilder) Gravuren von "GRU", was wohl für den Neffen F. Arthur Uebels - Gustav Rudolf Uebel steht.
Dieser G. Rudolf war laut Internet Klarinettist und hat Teile des väterlichen Unternehmens übernommen, während sein Onkel F. Arthur sein eigenes (heute noch bekanntes) Unternehmen gründete.

Nun habe ich recherchieren können, dass G.Rudolf Uebel sowohl Klarinetten als auch Querflöten baute, jedoch nichts über Saxophone gefunden.
Daher ergeben sich für mich mehrere Ideen. Kann es ein Einzelstück bzw. Sonderanfertigung eines Uebel-Liebhabers sein? Dagegen spricht für mein laienhaftes Verständnis die Seriennummer 3663.
Ist es ein Instrument einer anderen Firma, was von GRU schoneinmal generalüberholt wurde und mit den eigenen Gravuren und Plaketten "überschrieben" wurde?
Kann es das Meisterstück G.Rudolf Uebels sein, und die Nummer 3663 zeigt auf das Enstehungsjahr 1936, das Todesjahr Uebels Vater und angeblichen Abschlussjahr seiner Ausbildung?

Vielleicht gibt es ja hier jemanden, der sich den Fragen annimmt und sogar ein wenig Licht in die spannende Geschichte dieses schönen Instruments bringen kann.

Ich bedanke mich im Voraus und sende die besten Grüße aus Berlin,
Martin
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intune
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Re: G.Rudolf Uebel Tenor Saxophon

Beitrag von intune »

bitte zeige uns die nummer (deutlicher) und den s-bogen, erster verdacht = stencil.

tobi
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Re: G.Rudolf Uebel Tenor Saxophon

Beitrag von tobi »

Moin,
es handelt sich um ein von dem Saxophonhersteller Max Keilwerth in Graslitz gefertigtes Instrument.
Gerhard Rudolf Uebel hat Saxophone nur vertrieben, und zwar von mehreren hochwertigen Saxophonherstellern, u.a. F.X. Hüller.
Was auffällig ist, ist die Plakette. Vielleicht können wir nochmal ein Foto vom Bereich bekommen, wo diese sitzt?
Bitte auch noch ein Foto vom Oktavmechanismus inkl. S-Bogen.
Dann kann ich ggf. noch mehr sagen.

VG, Tobi.

Martinjarm
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Re: G.Rudolf Uebel Tenor Saxophon

Beitrag von Martinjarm »

Vielen Dank für die schnelle Antwort. Das klingt sehr spannend. Ich habe versucht, die Plakette so nah und deutlich wie möglich aufzunehmen. Der restaurierende Instrumentenbauer meinte auch, dass ihm die Plakette "nachträglich angebracht" erscheint...
Das in Kombination mit der Gravur war uns eben etwas mysteriös.

Vielen Dank für die weiteren Expertisen!

Beste Grüße,
Martin
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tobi
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Re: G.Rudolf Uebel Tenor Saxophon

Beitrag von tobi »

So, ich bin's nochmal.
Beim S-Bogen wurde die Original-Stimmschraube entfernt. Dieser Schraub-Mechanismus kann zu leichten Undichtigkeiten führen, daher wurde das gute Stück früher leider öfter durch ein gerades Rohr ersetzt.

Max Keilwerth hat damals Saxophone von sehr hoher Qualität gebaut. Der Sound dieser alten Instrumente ist unter Fans gesucht. Bei Stencils fehlt öfter der berühmte "Pure Tone Trade Mark" Stempel - wie hier auch.

Das Sax wurde ungefähr Mitte der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts hergestellt.
VG, Tobi.

intune
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Re: G.Rudolf Uebel Tenor Saxophon

Beitrag von intune »


Martinjarm
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Re: G.Rudolf Uebel Tenor Saxophon

Beitrag von Martinjarm »

Hallo Tobi,

vielen Dank für deine tolle Beschreibung.
Mit ein bisschen Ahnung vom Spielen eines (Alt-)Saxophons und allgemeinem Verständnis für Klang, kann ich bestätigen, dass der Klang des restaurierten Instruments sehr toll ist.

Da der Besitzer des Instruments nicht darauf spielen wird und es mir quasi als Dauerleihgabe geben würde war für uns die Frage, ob das Sax so antik und selten ist, um es nicht an meinen Lippen zu vergeuden, sondern es ggf sogar an einen Sammler zu geben.
Es geht nicht um eine gewinnbringende Veräußerung als mehr um eine weiterführende Wertschätzung des Instruments.

Eure Expertise werde ich an den Besitzer weitergeben und hoffe, dass ich selbst noch viele Töne aus dem alten Gerät herauspusten kann :)

Vielen Dank! Ein tolles Forum hier.

Beste Grüße,
Martin

tobi
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Re: G.Rudolf Uebel Tenor Saxophon

Beitrag von tobi »

ich nochmal...

Hier ist der große Bruder von Deinem Max Keilwerth - SN 3673 und ein Bariton. Möglicherweise im selben Monat hergestellt, wie Deins.

http://www.fxhuller.com/duits/max.php?p ... ng&toon=89

Wenn ich Dir was raten darf: Spiele das Sax und genieße es. Vergeudet wäre es eher, wenn es in einem Sammler-Keller verschwindet und auf den Tag X wartet, der möglicherweise nie kommt.

Beste Grüße und viel Spaß mit dem Instrument!
Tobi.

intune
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Re: G.Rudolf Uebel Tenor Saxophon

Beitrag von intune »

dubios bleibt warum das "foreign" stück (SN 3673) in der nummer gestichelt ist und nicht gestempelt.

aber darüber wird schon seit einiger zeit nicht nur hier gerätselt.


allzeit gute töne.

intune
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Re: G.Rudolf Uebel Tenor Saxophon

Beitrag von intune »

die gravur, oder besser gesagt die tauschierung am becher lässt auch rückschlüsse auf F.X. Hüller zu.

es bleibt ein spannende recherche durch die kriegswirrungen. leider sind nach 1945 keine saxe mehr gebaut worden und die unterlagen verloren gegangen ( zur zeit). die mitarbeiter haben sich nach 45 wieder teilweise gefunden, das wäre ein ansatzpunkt.

tobi
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Re: G.Rudolf Uebel Tenor Saxophon

Beitrag von tobi »

@ intune - das Saxophon wurde bereits eindeutig bestimmt.
Bitte konkretisiere Deine Andeutungen, damit wir alle verstehen können, worauf Du hinaus willst.
Danke und Gruß, tobi.

intune
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Re: G.Rudolf Uebel Tenor Saxophon

Beitrag von intune »

gemeint ist diese art der " veredlung" unter dem becher.
http://www.fxhuller.com/duits/periode2.php

aber das müsstest du wissen.




ns. die aufgelötete plakette entspricht in größe und form sicher der "vertuschung" des wirklichen herstellers.

intune
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Re: G.Rudolf Uebel Tenor Saxophon

Beitrag von intune »

so dürfte es unter der runden plakette aussehen:
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5400b6ffcb88ad29d96e62c2fb7a4e5ed.jpg (21.24 KiB) 757 mal betrachtet

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