INr. 3475 Alt-Saxophon von Adolphe Sax

Gravur: "No. 37637 Saxophon alto en mi b Adolph Sax, F reur Brevete 50, rue Saint Georges a Paris" "seul grand prix 1867"

Die Leihbücher des Gewerbemuseums

beweisen, dass die vogtländischen Meister noch bis zum Beginn unseres Jahrhunderts vom Angebot dieser Modellinstrumente wiederholten Gebrauch machten. Als besonders weitsichtig erwies sich 1895 die Anschaffung eines Tenorsaxophons, das von der Pariser Firma Gautrot-Marquet gebaut wurde (Inr. 0917). Es diente als Vorbild für die erste deutsche Saxophonproduktion, welche die Firma Oscar Adler & Co. ab 1901 aufbaute. Ein originales Instrumente aus der Firma von Adolphe Sax (Inr. 3475) kam dagegen erst später in die Markneukirchner Sammlung.

Werkstoffe für Holzblasinstrumente

Die chronologische Anordnung der einzelnen Instrumentenarten in unserem Museum verdeutlicht dem Besucher neben der Erweiterung des Klappenmechanismus vor allem auch den Wandel im Einsatz des Werkstoffes Holz, z. B. die Verdrängung von Buchsbaum durch Grenadill. Denn gerade mit der Zunahme des Klappenwerks standen die Holzblasinstrumentenmacher immer wieder vor der Frage, neue feuchtigkeitsunempfindliche Werkstoffe auszuprobieren.

Hier wurde 1936 Plexiglas erstmals im Holzblasinstrumentenbau eingesetzt. Mit den in unserer Sammlung ausgestellten Instrumenten errang man 1937 den Grand Prix der Weltausstellung in Paris.

Sonderformen und Patente

Zusätzlich zu den entwicklungsgeschichtlich sich verändernden Bauformen und Systemen hält auch die Holzblasinstrumentenabteilung unseres Museums einige Spezialformen und Erfindungen bereit.
Neben dem ausgestellten Sarussophon (Inr. 1106), einem ca.1856 in Frankreich erfundenen Klappenblasinstrument mit Doppelrohrblatt, sind vor allem drei im Vogtland entwickelte und gebaute Sonderformen der Klarinette interessant.Am 27.09.1893 wurde unter der Nr. 83005 das erste Patent auf ein vogtländisches Blasinstrument erteilt. Es handelt sich hierbei um ein “zweiröhrig verkürztes Holzblasinstrument”, das wegen der Eigenschaft des Oktavierens auch als Oktavin bezeichnet wurde und in unserer Sammlung unter Inr. 0904 ausgestellt ist.Dieses Instrument besitzt zwar ein Klarinettenmundstück, in seiner Bauweise verbinden sich aber auch Elemente von Oboe, Fagott und Saxophon, so dass seine Klangeigenschaften zwischen Klarinette und Saxophon liegen. Das Oktavin, zuweilen auch als “Deutsches Saxophon” bezeichnet, wurde bereits 1881 vom Adorfer Instrumentenbauer Julius Jehring (1821-1905) erfunden

.Die geschäftsmäßige Verwertung und Patentierung erfolgte aber erst 1893 durch die erste Markneukirchner Holzblasinstrumentenfabrik, die Firma Oscar Adler & Co. Während das Oktavin einige Jahrzehnte in kleiner Serie gebaut wurde, liegen zwei weitere vogtländische Patentklarinetten nur als Prototypen vor.

Beide entstanden sie Anfang der 1930er Jahre und sind somit Zeugnisse einer ausgesprochen schöpferischen Phase des vogtländischen Holzblasinstrumentenbaus.
Die Steinklarinette (Inr. 4458) geht auf eine Erfindung von Friedrich Stein aus Saarbrücken zurück, bei der ein verändertes Griffsystem auf zwei Metallröhren angebracht wurde.
Die Patente auf diese erhoffte Verbesserung erteilte man 1928 und 1932 (Nr. 510975 u. 580478), die Entwicklung und Herstellung der Prototypen erfolgte bei der Markneukirchner Firma Gebrüder Mönnig. 
Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts diskutierte Kompositionsweise mit sogenannten “Mikrointervallen” regte Fritz Schüller (1883-1977) an, eine Vierteltondoppelklarinette (Inr. 1410) zu konstruieren, worauf 1932 das Patent Nr. 583817 ausgestellt wurde. 
Zwischen zwei nebeneinander liegenden Röhren, die sich um einen Viertelton unterscheiden, kann gewechselt werden, ohne auf die übliche Griffweise zu verzichten, so dass eine Vierteltonleiter spielbar wird .

Weitaus größere Spuren als diese Erfindungen hat allerdings die Wiederentdeckung eines Instrumentes hinterlassen, denn Markneukirchen war in den 1920er Jahren Ausgangspunkt der deutschen Blockflötenrenaissance. 1926 (oder bereits 1923) stellte Peter Harlan gemeinsam mit dem Holzblasinstrumentenbauer Kurt Jacob (1896-1973) die ersten vogtländischen Nachbauten von Blockflöten her, wobei auch das deutsche Griffsystem der Blockflöte entstand (Inr.4920).

Text: Dr. phil. Enrico Weller